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Historische Baustoffe

Was ist ein Fachwerkhaus?

Ständerbau (Quedlinburg, Wordgasse 3) - Die Urform des Fachwerkbaus stellt der Ständerbau dar, sogenannt, weil Pfeiler, Säulen oder Ständer dem Haus von der Grundschwelle bis zum Dach die notwendige Stütze geben. Das älteste vollständig erhaltene Haus dieser Bauform stammt aus dem frühen 14. Jahrhundert. Das bis 1965 bewohnte Haus wird seit seiner Restaurierung als Museum genutzt, in dem Exponate die Entwicklung des Fachwerks darstellen. Am 10. Juli 1997 wurde der Ständerbau das Opfer eines nächtlichen Brandanschlages. Nach den Sanierungsarbeiten wurde der Ständerbau wieder eröffnet und kann wieder besichtigt werden.
Karl Klöckner hat in seinem Buch "Alte Fachwerkbauten" eine sehr treffende Definition für das Fachwerk verfasst:

"Als Fachwerk bezeichnet man eine Wandbauweise, bei der die Zwischenräume (Gefache) mit einem anderen Material ausgefüllt werden. Da aber im Normalfall Wände Teile von Gebäuden sind, ist Fachwerk - auch im allgemeinen Verständnis - eine spezifische Art und Weise, Gebäude zu errichten, bei denen die Außenwände und die inneren Trennwände aus Fachwerk bestehen. Decken und Dächer fallen nicht unter den Begriff des Fachwerks. Sie sind zwar hölzerne Gefüge, werden aber auf andere Weise geschlossen: durch Füllungen und Verbretterungen (wenigstens ursprünglich) bei Decken, durch eine Außenhaut aus unterschiedlichem Material bei Dächern.

Daneben gibt es Gerüste, deren Zwischenräume nicht oder nur teilweise geschlossen werden: Laubengänge, Vorhallen oder etwa die Ständerreihen im Inneren niederdeutscher Hallenhäuser. Es könnte hier von offenem Fachwerk gesprochen werden, doch ist dieser Begriff wenig gebräuchlich. Dach- und Deckenkonstruktionen waren (sind) in Steinbauten die gleichen wie in Fachwerkhäusern. Es ist also lediglich der Charakter der Wände, der einen Bau als Stein- oder Fachwerkbau definiert."

Ein Haus wird also durch seine Wandkonstruktion zu einem Fachwerkhaus.

In Deutschland gibt es ca. 2.000.000 Fachwerkhäuser, von denen jedoch 80% verputzt oder verkleidet sind (Manfred Gerner, Fachwerklexikon). Die Fachwerkhäuser, bei denen die Fachwerkkonstruktion sichtbar ist, geben bereits von außen einen Einblick in die historische Entwicklung der Bauweisen, der Städtebildung, der wirtschaftlichen und sozialen Position des Bauherrn, sowie der ehemaligen Nutzung.

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