Unterschied zwischen Kalkfarbe und Kalk-Kaseinfarbe

Hallo zusammen.

Ich habe alle meine Wohnräume mit Kalkputz (Baumit RK 38) putzen lassen.
Dann wurde mir für den Anstrich Kalkfarbe oder Kalk-Kaseinfarbe empfohlen. Was ist der Unterschied? Was macht das Kasein? Wie beeinflusst es Dampfdiffusionsoffenheit und Abriebfestigkeit?

Habe dazu leider noch keinen erfüllenden Beitrag gefunden.

LG Marcus

Der Unterschied liegt in der Bindemittelbasis.

Eine Kalkfarbe ist ein verdünnter Löschkalkteig, der seine Bindekraft durch das Calciumhydroxid erhällt, dass wie der Putz unter Aufnahme von Kohlendioxid aus der Luft erhärtet. Hier fungiert der Kalkteig als Bindemittel und Pigment gleichzeitig, Lösemittel ist Wasser.

Ein Kalkkaseinfarbe enthält durch Kalk aufgeschlossenes Kasein als Bindemittel. Kasein ist durch Alkalien (Kalk) wasserlöslich aufgeschlossenes Milcheiweiß, dass in den Farben als Bindemittel dient und wieder wasserunlöslich auftrocknet. Hier wird als Weißpigment zumeist eine Mischung aus feinen Marmormehlen und Kreiden verwendet. Als Lösemittel dient auch hier reines Wasser.

Der (größte) Vorteil von (Kalk-) Kaseinfarben gegenüber Kalkfarben dürfte in der Möglichkeit liegen leichter farbkräftige Anstriche auszuführen.

Da Farbpigment hier einfach den Anteil an Weißpigmenten teilweise oder vollständig ersetzen könne.

Während bei Kalkfarben wegen der geringeren Bindekraft nur Tönungen bis zu kräftigen Pastellfarben möglich sind.

Bei guter Ausführung sollten beide Farben hinreichend wischfest sein.

Quark

Hallo Mario, weil ich grad dabei bin, das selber zu mischen, wie ist das Mengenverhältnis von Quark zu CL90 (im 10L Eimer)?
Einen sehr dünnen Voranstrich aus CL90 und Wasser hab ich bereits auf den Wänden.

Bei einer Mischung von Quark und Weisskalkhydrat aus dem Sack ist mein Erfahrungsschatz gering. Ich würde so mit 1 bis 1,5 kg Magerquark (Magerstufe!) auf 10 Liter Kalkteig mischen. Das sind dann so in etwa 1,5 Prozent Kaseinleim, dass müsste schon eine gute Bindung geben.

Reine kaseingebundene Farben haben so um die 4 % Prozent Kasein im Leim.

Wichtig nur das mit dem Kaseingehalt auch der Anstrich spannungsreicher wird, so das er bei zu dickem Auftrag abplatzen kann.

Schaue mal hier da ist eine detaillierter Erfahrungsbericht.


http://www.zukunftslobby.de/Zublog/2008/zulob200802.html

Hallo Mario,

vielen Dank für deine schnelle und ausführliche Antwort!

Und gleich noch eine Frage hinterher: In den meisten foren (auch hier) wird bei der Konstellation Kalkputz + Kalk(-kasein)farbe geschrieben da zuvor die Sinterschicht entfernt (Fluatieren) werden muss. "Meine" zwei Malermeister meinen aber das das heutzutage nicht nötig wäre. Ich kann auch keine glänzenden Stellen auf dem Kalkputz entdecken.
Kannst du mir da auch was sagen? Auch wieder bezogen auf Dampfdiffusionsoffenheit und Abriebfestigkeit?

LG Marcus

Fluatieren tut man nur frische Kalkputze wenn man eine Silikatfarbe streichen möchte. Da streicht man dann eine saure Lösung beispielsweise "Vogelfluat".

Wenn Sinterschichten bestehen sollten würde ich eher zur mechanischen Aufrauhen raten (80er Sandpapier).

Ggf. wird eine "Grundierung" mit verdünnten Bindemittel oder verdünnter Farbe notwendig sein, das kommt auf die Saugfähigkeit vom Untergrund an.

Ich weiss ja jetzt nicht was für Produkte da schon ins Auge gefasst wurden.

Ich kann immer die Fa. "Kreidezeit" empfehlen. Da kommt die "Marmormehlfarbe" als Kaseinfarbe in Frage, den (fast) selben Farbton hat die Sumpfkalkfarbe von dort, hier handelt es sich um eine fertig formulierte Kalkfarbe die mit Füllstoffen (Marmormehl) und Zellleim versetzt wurde so bindiger und deckender ist, was sie auch vom traditionellen Kalkanstrich unterscheidet. Das sind alles wirtschaftlich recht faire Lösungen. Bei der Kreidezeit kann man auch anrufen, die haben da eine engagierte Telefonberatung.

Wirtschaftlich günstiger wäre noch die Kalk-Kaseinfarbe von "Streichgut" hier aus Leipzig, mit der habe ich persönlich auch sehr viel Umgang und kann die wärmstens empfehlen.

Am besten man recherchiert da mal die recht ausführlichen Merkblätter da steht (fast) alles drauf.

Kalkanstriche gelingen am besten wenn sie mit dem Quast ausgeführt werden. Ich nutze oft auch einen größeren Flächenstreicher, bester (!) Qualität.

Um schnell abgelöste Pinselhaare bei Anstreichen zu entfernen, immer einen kleinen (älteren) Pinsel griffbereit haben.

Danke Mario

für deine unendliche Hilfe!