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Historische Baustoffe
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Historischer Romankalk Moertel [img 14043]
© Dr. Norbert Hoepfer Aufnahmeort: 83324 Ruhpolding (Oberbayern)
Upload am 16.07.08 / 5524x angezeigt
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Dieses Bruchstueck lag 2002 suedlich von Ruhpolding in einem trocken gefallenen Bachbett. Normalerweise liegen dort nur Kalksteine. Das Bruchstueck erscheint wie Terrazzo aus Ziegelsplitt mit etwas Schlacke. Letzteres weist auf den Erzbergbau im Chiemgau hin, der im letzten Jahrhundert aufgegeben wurde. Die Matrix hat eine haselnussbraune Farbe und das ist typisch fuer Romankalk und Romanzement. Waere es ein Bruchstueck aus einem Luftkalkmoertel dann haette dieser Stein im Bachbett nicht lange ueberlebt und waere somit auch nicht gerundet. Ueber Frost und die geringe Haerte haette es kaum einen Winter ueberstanden. Bei Romankalk / Romanzement handelt es sich um einen natuerlichen Belit-Schnellzement. Rohstoff ist ein mergeliger Kalkstein (verunreinigt mit feinem Quarzsand und Tonpartikel) der wie Kalk gebrannt wird und doch wesentlich witterungs- und umweltbestaendigere Eigenschaften besitzt wie Luftkalkmoertel (aus Sumpfkalk oder Kalkhydrat hergestellt). Durch Parker wurde 1796 der Romanzement patentiert. Die Namensgebung knuepft an roemischer Moerteltechnologie an. Dies sind Kalkmoertel die ueber einen puzzolanischen Zusatz wie Tuff oder Ziegelmehl ebenfalls unter Wasser erhaerten und sehr bestaendig werden. Derartige Moertel werden als Roemischer (romanischer oder Roemer)- Moertel / Beton / Putz / Kalk / Zement, Romanbeton oder opus caementitium bezeichnet. Romankalk wie er bis 2001 zuletzt in Deutschland als Mariensteiner Romankalk hergestellt wurde reagiert ueber hoch hydraulische Phasen (i.w. Belit). Dies bedeutet, dass die Belitphase waehrend des Brennens entsteht. Mechanismus und Ergebnis sind hier anders als beim roemischen System. Angenommen dieser Stein ist ca. 100 oder mehr Jahre alt, dann ist er auch bestaendiger als ein Portlandzement. Sehr gut ist dies dokumentiert an historischen Romankalk Fassaden z.B. in Grenoble die mit dem dortigen Romanzement (Le Prompt) gegossen wurden. Dies zeigt, dass eine hohe Druckfestigkeit eines hydraulischen Moertels auf Dauer nicht ausschlaggebend ist. Der "Mariensteiner Romankalk" wird heute nicht mehr hergestellt. Jedoch gibt es ein Nachfolgeprodukt ebenfalls mit dem Namen Mariensteiner. Hierbei handelt sich um eine Abmischung von Luftkalk (Kalkhydrat) und Portlandzement (Hochklinker). Dieser HL5 hat bei der Druckfestigkeit vergleichbare Werte, jedoch eine deutlich reduziertere Kapillaritaet und Witterungsbestaendigkeit.
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