Alte Holzdielen im Neubau-Bad + Fußbodenheizung


04.12.2017 Dirk81 5 685

Hallo liebe Fachleute,

nachdem wir jahrelang erfolglos nach einem älteren Haus suchten (welches unseren Vorstellungen entspricht und finanzierbar ist), bauen wir nun doch neu. Ich persönlich vermisse bereits jetzt (noch kurz vor Baubeginn) den Charme, den viele Details an so einem älteren Haus ausstrahlen. Deshalb treibe ich unsere Bauplaner/Bauschaffenden bereits etwas in den Wahnsinn. Konkret überschütte ich sie mit Ideen, wie man im Innenausbau alt und neu verbinden könnte. Natürlich kann ich in Sachen Machbarkeit keinen Beitrag leisten - mir fehlt jedweder Bausachverstand. Damit nicht einzelne unter meinen Ideen "leiden" müssen, versuche ich das Leid auf diesem Wege etwas zu verteilen ;)

Meine Idee: Ich möchte gern alte Holzdielen (Holzart mir nicht bekannt, Alter etwa 200 Jahre) verbauen. Das allein wäre aber noch zu einfach. Deshalb möchte ich sie gern im Gästebad (mit Dusche) als Fußboden verbauen. D. h. keine Fliesen auf dem Boden. Und es ist eine Fußbodenheizung verbaut. Nun die Frage: Hat jemand von euch schon mal so etwas realisert? Wie sollte dies konkret aussehen (Fußbodenaufbau/-versiegelung, usw.)? Oder ist das eine völlig blöde Idee? Wichtig ist mir auf jeden Fall, diese (vorhandenen) Dielen zu verwenden - egal was für ein Holz es ist. Ich möchte gern die mir bekannte Geschichte des Holzes mit verbauen und mir nicht nur irgendwelches altes Holz bei ebay kaufen. Und es soll auch noch die Geschichte des Holzes erkennbar sein, d. h. kein Abschleifen oder ähnliches.

Und noch eine zweite Frage: Ich könnte mir diese Dielen auch im Wohnzimmer vorstellen. Aufgrund der großen Fläche und der Nutzung liegt hier der Fokus auf der Wirtschaftlichkeit in Zusammenhang mit der Nutzung einer Fußbodenheizung. Habt ihr vielleicht Ideen, Anregungen oder Hinweise wie man hier Wirtschaftlichkeit und Charme in Einklang bringen kann?

Ich konnte in Netz zu allen Fragen keine wirklich befriedigenden Lösungen finden. Entweder liest man was nicht geht, oder man behauptet es geht alles, die Erklärungen fehlen aber. Ich würde mich über eure Unterstützung sehr freuen.Und falls ihr meine Ideen tatsächlich unsinnig findet, entlastet ihr damit ggf. die Bauschaffenden ;)

VG Dirk

Fußbodenaufbau



Solche alten Dielen verbauen- warum nicht. Normalerweise macht man so etwas weil man einen persönlichen Bezug hat, also um bestimmte Erinnerungen wachzuhalten.
Wenn Sie es einfach so verbauen wollen- das geht auch.
Aber da wo dieses Material einen Sinn ergibt.
Wie wäre es mit einem Flur, dem Gästezimmer, dem Arbeitszimmer?
Da passen solche Materialien von der Funktion her besser hin.
Was auch geht: Aus den alten Dielen etwas neues herstellen, ein Möbelstück wie einen Tisch, ein Regal oder etwas ähnliches.

Alte Dielen im Neubau



Wenn schon alte Dielen dann würde ich sie auch so einbauen wie früher üblich, also auf Holzunterkonstruktion und statt Fußbodenheizung Wandheizung oder Radiatoren verwenden.

Holzböden sind per se fußwarm und müssen nicht temperiert werden, um sich angenehm anzufühlen, was bei Wänden anders ist.

Bei FB-Heizung müßten sie entsprechend getrocknet werden, damit's keine Verwerfungen oder größere Fugen gibt.
Die Dielen werden sicher keine Nut und Feder haben, sodass sie besser von oben befestigt werden.

Damit die Dielen ins Gebäude passen müßte das Design und die anderen Materialien darauf abgestimmt werden,
sonst siehts wie Disney World nach Fake und leicht kitschig aus.
Ich habe auch Dielen im Bad verlegt- das funktioniert.

Bei Fragen ggf mailen oder anrufen

Andreas Teich

Nicht historisieren.


04.12.2017 christophsab

Hallo Dirk,

ich kann deinen Wunsch nach einem alten Haus mit Charme und Charakter extrem gut nachvollziehen, warne dich aber dennoch davor deinen Neubau an einzelnen Stellen zu historisieren. Du wirst nie ein Ergebnis erreichen, das dich zufrieden stellt weil der Neubau gegen den Altbau an der Stelle einfach keine Chance hat. Außerdem wird es ungefähr so aussehen wie ein Tesla Model S mit Vinyldach. 200 Jahre alte Dielen und ein perfekter Neubau mit (fast) geraden Wänden und Decken und CNC-Röhrenspantüren passen einfach nicht zusammen.

Da spielen auch praktische Überlegungen mit rein. Du wirst wohl eine Wärmepumpe kriegen. FBH plus zusätzlich Wandheizung im Bad sind also die insgesamt günstigsten Wege für die Wärmeverteilung. Bei einem Neubau kannst du das auf extrem niedrige Vorlauftemperaturen auslegen und kommst so der Wärmepumpe mit einem geringen Temperaturhub entgegen. Wenn du jetzt dicke Dielen darüber packst, ist das ziemlich kontraproduktiv um nicht zu sagen absolut idiotisch.

Ein guter Freund von mir hat das gleiche Problem wie du und plant widerwillig einen Neubau. Ihm habe ich geraten sich auf andere Dinge einzuschießen, die im Altbau schwieriger oder unmöglich sind: sehr wenig Energieverbrauch, Barrierefreiheit, smart home, optimaler Grundriss und so weiter. Er hat es erst eingesehen als ich ihn daran erinnert habe wie er mit Anfang 20 jahrelang heimlich seiner Ex hinter her getrauert hat obwohl er eine wundervolle neue Freundin hatte mit der er heute verheiratet ist. Jetzt fängt der Neubau langsam an ihm Spaß zu machen.

Naja:



"Wenn du jetzt dicke Dielen darüber packst, ist das ziemlich kontraproduktiv um nicht zu sagen absolut idiotisch."

Ein Idiot ist ein "jemandes Ärger oder Unverständnis hervorrufender törichter Mensch; Dummkopf" , was ein "absoluter Idiot" nun noch Schlimmeres machen könnte, lasse ich jetzt 'mal außen vor... Und: Was sind dicke Dielen? 28mm? 22mm? Wohl eher nicht.

Fakt ist aber, daß massive Dielen auf einer FBH verbaut wurden und werden, und die Bauherren sind statt grenzdebil eher besonders engagiert und haben Bauerfahrungen oder Geld für einen Planer mit Plan oder Beides. Und vorallem: es funktioniert mit der richtigen Dimensionierung bzw. System.

Das Aufkleben von Dielen auf einen Heizestrich sehe ich kritisch, hier sind eher kleiner dimensionierte Parkettstäbe geeigneter Holzarten gefragt. Oder Dreischichtdielen. Jedoch mit einem Trockenaufbau unter Verwendung von Wärmeleitblechen habe ich selbst ausnehmend gute Erfahrungen gemacht, auch bei breiteren Dielen bis 30cm und bei Stärken von 28mm. Ein geeignetes System inkl. Aufbauempfehlung für die trockene Verlegung findet sich bei www. ripal.de. Da der Baubeginn noch aussteht, könnten Sie mit einem eleganten Federzug den Heizestrich 'rausschmeißen (ist eh kompliziert im Trockenheizen und kostet auch Geld - und viel Zeit). Wichtig: Beizeiten den Aufbau konkretisieren und die Aufbauhöhen einplanen.

Mit den üblichen Allgemeinplätzen, daß also Ihr Vorhaben (bezogen auf die alten Dielen) ökonomisch nicht sinnvoll ist und auch darüberhinaus einen hohen Aufwand bedeutet, will ich Sie nicht quälen, das ist Ihnen scheinbar bewusst.

Damit das Ganze funktioniert, sollten folgende Arbeitsschritte erfolgen:

-Trocknen auf ca. 7% rel. HF (im Zuge der Bearbeitung sollten nicht mehr als 9% bis zum Einbau daraus werden)
-Hobeln vorzugsweise beider Seiten (das Hobeln von Altdielung lieben Tischler nicht. Jedoch ist für das Ripal-System eine glatte Unterseite erforderlich. Sollte die Oberseite sehr gut und gerade sein, vorallem lackfrei, kann das hobeln der Oberseite entfallen und durch moderaten Schliff nach dem Einbau oder Reinigungsmaßnamen ersetzt werden)
-Besäumen der Dielenkanten und Herstellen einer beidseitigen Nut, Einbau mit loser Fremdfeder, von oben geschraubt ODER Anarbeiten von Nut und Feder und verdeckt in Feder Schrauben (letzteres nur bei schmaleren Brettern)
-Harzfreies Öl statt Lack oder Wachs, damit haben Sie am längsten Freude ohne schleifen oder Grundreinigen. Ich bevorzuge ein Heißölverfahren.
-vorher die Heizung berechnen, geringe Vorlauftemperaturen sind angeraten um das Holz zu schonen. Herr Trog von Ripal macht das für jedes Projekt.

Damit haben Sie nun genug Munition, um Planer und Handwerker auf Trab zu halten.

Grüße von Thomas


P.S. Dielen, Herr T., müssen immer getrocknet werden (Falls es nicht um die Vesperecke in einem Bergwerksstollen geht).

BKA nicht vergessen


06.12.2017 MiKe

Betonkernaktivierung !
Lege in die Betondecken Ein/zwei Kreise 20er Rohr.
Das wird langsam zum Standart und hilft ungemein zur Temperierung und unterstützt dann die Trockenbau FBH.
gruß
micha