Schleichender Heizungsrohrbuch - Gebäudeversicherung, Schwellentausch, Haussschwamm...


04.12.2018 alexander_klutzny 15 307

Hallo liebes Forum,

nachfolgend möchte ich euch mein Leid klagen und hoffe, dass jemand bereits ähnliche Erfahrungen teilen möchte.

Kurz Zusammengefasst:
1) Eure Erfahrungen mit der Gebäudeversicherung / Schadensregulierung bei umfangreichen Schäden am Fachwerk?
2) Kostenübernahme Hausschwammsanierung als Folge Rohrbruch
3) Wie soll man da eigentlich noch ruhig schlafen...

Ausführlich:
nun hat es unser FW-Haus auch ereilt: Nach dem Beginn dieser Heizperiode habe ich immer wieder stärkeren Druckverlust in der Heizung festgestellt (wohnen erst ein Jahr dort, letztes Jahr nur marginale Heizungsprobleme).

Zusätzlich konnte ich vor ca. 3 Wochen imme mehr einen deutlichen nassen Fleck aussen am Schwellbalken (ca. 1-2m Länge) von unten kommend feststellen.

Nun ja, "eigene Explorationen" von innen waren nicht erfolgreich, Nässe o.Ä. konnte innen auch nicht festgestellt werden (Gipskarton+Mineralwolle leider...).
Also, Versicherung angerufen, diese schickte einen Leckorter, der seinen Job sehr gut gemacht hat. Ein paar Fliesen und Zentimeter Boden später hatte er das Leck gefunden, habs dann provisorisch geflickt.
Anschliessend wurde das Eckstück vom Installateur ersetzt.

Bei den Arbeiten wurde deutlich, dass das Wasser bestimmt schon eine ganze Weile unbemerkt unter den Fußboden, d.h. zwischen Fliesen-Estrich/ Styropordämmung und Betonbodenplatte gelaufen sein muss, daher auch die Feuchtigkeit am Balken aussen.
Der Balken ist (an den kleinen Stellen, wo er nun innen sichtbar ist,) äußerst morsch, d.h weich, feucht und waldig im Geruch - nicht gut.

Nun war gestern der "Schadenregulierer" vor Ort, um sich ein Bild zu machen. Offensichtlich kein Gutachter oder Fachmann für Holz, kam mir das Gespräch seltsam vor. Klar, neue Fliesen in der Ecke, bisschen Boden verschliessen, Mali Mali und die obligatorische "Trocknung" wurde mir zugestanden.

Aber bei der Frage nach dem Holz, dem Schwellbalken, also dem tragenden Element unseres Hauses, welches offensichtlich einzig und allein durch den Rohrbruch lange der Nässe ausgesetzt war, wurde es ziemlich dünn.

"Müssen wir mal abwarten ob es überhaupt ein Versicherungsschaden ist", "Nach der Trockung siehts vielleicht wider gut aus", "Sie können von mir aus einen Zimmermann kommen lassen, die Begutachtung und die Angebotserstellung müssen sie aber schon selbst zahlen", "Zerstörung durch Pilze aller Art sind ja sowieso ausgeschlossen"

Den Zimmermann habe ich anschliessend auch angerufen, und seine Aussagen verstärkten mein Bild, dass ich möglicherweise mit dem eigentlichen Kern meines Schadens allein stehen gelassen werde.

Dass dringend (Schaden ist im Wohnzimmer, d.h. frühestens im Frühjahr) etwas umfangreiches passieren muss, ist mir klar. Nur habe ich den Eindruck, dass dieser Schaden mit "nur" bisschen feuchtem Mauerwerk gleichgesetzt wird und.
Ich denke ihr wisst, was meine Sorge ist: Wie soll ich in dieser Grauzone agieren, was genau bedeutet eigentlich dieser Ausschluss von Pilzschäden? Wenn das Holz ganz einfach "morsch" ist, muss doch getauscht werden oder nicht?

Ich weis, das ist kein Rechtsberatungsforum, ich könnte doch einfach mit der Versicherung sprechen etc. Aber ihr als Profis, Handwerker, Betroffene habt vielleicht das Ein oder Andere Stichwort parat.

Danke an diejenigen, die es bis hierhin gelesen haben! Ich liebe das Fachwerkforum.

Grüße
Alexander

Balken von aussen


04.12.2018 alexander_klutzny

So sieht es aktuell von Aussen aus

Da ist


04.12.2018 alexander_klutzny

der Übeltäter...

Und nun auch noch das...


04.12.2018 alexander_klutzny

Könnte es das sein, was ich denke?!

Hmm


04.12.2018 1zelner

also für mich hört sich das so an, als wäre der Schaden nicht erst ein Jahr alt, sondern eher 15 Jahre. So lange braucht es ungefähr dass solche Balken durchmorschen.

Im Prinzip hat der Verkäufer diesen Mangel schön versteckt....

Aus meiner Erfahrung machen die Versicherungen dann gerne einen Deal. 50/50 zum Beispiel.
Vermutlich wird der Gesamtschaden auf 2000-3000 Euro taxiert und du wirst etwa 1500,- erhalten (Rechtsweg ausgeschlossen).

Gegen die Versicherung zu klagen hat wenig Sinn, da der Schaden ein Altschaden ist und sie dann eventuell gar nicht bezahlen. Die Gerichtskosten bleiben dir auch noch.

Mein Vorschlag: nimm das Geld und besorge dir das Material und mache es selbst.
Gegen diese Mycele kannst du bereits jetzt was unternehmen.

Die Kirche im Dorf lassen


04.12.2018 Flexsn

.... ist erstmal angesagt. Die Hausschwammpanik wird auch gerne von verschiedenen Anbietern von Sanierungsfirmen genutzt, um die Motivation zu hohen Ausgaben des Hausbesitzers zu erhöhen. Meist ist es eben kein Hausschwamm.

Also erstmal vereidigten Gutachter holen, der sich alles in Ruhe anschaut und dann können Sie weitere Schritte planen.

Puh, ok!


05.12.2018 alexander_klutzny

Ist denn eine Gebäudeversicherung in der Regel (ohne dass ich jetzt die gesamte Police der A...nz-Versicherung hier hereinkopiere) verpflichtet, mir die Ausgaben für einen Gutachter zu erstatten?

Ich meine, nur dass ein Versicherungsvertreter sich den Schaden vor Ort ansieht, heisst ja noch nicht dass er Ahnung von der Materie hat.

Mein Zimmermann ist informiert und sieht sich den Schaden an, dafür nimmt er natürlich auch etwas Geld, welches ich nur mit Zähneknirschen erstattet bekommen werde.

@ 1zelner


05.12.2018 alexander_klutzny

Das mit den 15 Jahren könnte natürlich stimmen, Haus wurde in den 1990ern kernsaniert... das vermag ich fachlich aber nicht zu beurteilen.

Auf-Putz-Heizungsrohre und Heizleisten


05.12.2018 Castell Berges

Was nicht in der Wand ist, kann auch nicht unbemerkt lecken. Dazu gibt es ja noch die Effekte laut www.haustemperierung.de ... und was Konrad Fischer (RIP) so gelobt hat, habe ich schon vor 50 Jahren gehabt ...

ja wahrscheinlich


05.12.2018 1zelner

Sie müssen davon ausgehen, dass die Mitarbeiter von Versicherungen jeden tag drei oder vier Schadenfälle zu begutachten haben und vor allen Dingen auch abschätzen müssen, ob es sich um einen schweren Fall handelt, der die Versicherung im Klagefall viel Geld kosten kann.
1000-2000 Euro sind quasi Kulanzlösungen. Alles Weitere muss gerichtlich erstritten werden - und da sehe ich bei Ihnen schwarz.

Vergessen Sie nicht, dass eine Versicherung Ihnen auch kündigen kann - dann kann es teuer und schwierig werden, einen neue Versicherung zu finden. Deshalb ist es aus meiner Sicht nicht immer ratsam mit Kleinkram und strittigen Dingen zur Versicherung zu laufen.

und ja,


05.12.2018 1zelner

in meinem Fachwerkhaus (´welches ich als Ferien- und Freizeithaus nutze und deshalb auch nicht jeden Tag alles im Blick habe) laufen die Heizungsrohre auch auf dem Putz und als ich es kaufte, war durch den Frost auch ein Rohr geplatzt. Man kann ja eine Fußleistenlösung finden - bevor dann aber Schäden jahrelang unbemerkt bleiben oder zwar bemerkt werden, aber nicht zu lokalisieren sind, gibt es ein Paar Wasserflecken frühzeitig und man findet die schadhafte Stelle.

Als außergewöhnliche Belastung


05.12.2018 Flexsn

... können Sie eine Schwammsanierung steuerlich geltend machen. Als Versicherungsschaden sind meistens Pilzschäden, v.a. Hausschwamm, nicht geltend zu machen. Meist sind es ja auch alte Schäden. Ist es gar ein versteckter Mangel, könnten Sie auch Ansprüche gegenüber dem ehemaligen Besitzer geltend machen. So wie sie allerdings den Fall schildern, sind die Chancen, zu mindest aus der Ferne beurteilt, gering.

Wichtig ist aber, dass Sie keinen Sachverständigen, Zimmerer oder Versucherungsangestellten, sondern einen staatlich anerkannten Gutachter für Holzschäden beauftragen. Die Kosten halten sich mit ca. 200€ Lohn und etwa 80€ pro Probe im Rahmen und führen zu zuverlässigen Sanierungsmaßnahmen.

Baubiologe


05.12.2018 Ally

Ich würde nicht den Zimmermann als Fachmann nehmen, denn der ist auch interessiert an der Arbeit, sondern einen Biologen der Dir sagen kann, ob es wirklich, wie Deine Vermutung, Hausschwamm ist. Einen Baubiologen habe ich über den Grundeigentümerverband bekommen, der zu einem Festpreis kam.

Danke für eure Zeit und eure Antworten!


05.12.2018 alexander_klutzny

(Gibt es eigentlich keine Zitatfunktion mehr ?!)

"Auf-Putz-Heizungsrohre und Heizleisten"
------
... fände ich auch wirklich sehr sympathisch, nur fehlen mir die finanziellen Mittel, im gesamten EG ringsum an der Wand alle Heizungsrohre aus dem Estrich zu pruckeln und neu zu verlegen :(

"Deshalb ist es aus meiner Sicht nicht immer ratsam mit Kleinkram und strittigen Dingen zur Versicherung zu laufen"
-------
Ich verstehe was Sie meinen, aber für mich ist das finanziell kein Kleinkram...
Im Schadensfall sollte man sich doch durch die Versicherung abgesichert wissen, aber ok - auch das sind nur wirtschaftlich agierende Unternehmen die mit Schadensfreiheit Geld verdienen.

"... können Sie eine Schwammsanierung steuerlich geltend machen"
--------
Da habe ich von einem Präzedenzfall gelesen, bei dem die Schwammsanierung in Gänze geltend gemacht wurde, nicht nur anteilig als haushaltsnahe Dienstleistung.

"...Ich würde nicht den Zimmermann als Fachmann nehmen, ..."
--------
Naja, ich dachte, da der Zimmermann mir eh ein Angebot zur Sanierung machen muss - unabhängig was nun die Versicherung zahlt oder nicht - frage ich diesen zuerst.
Klar, ein Baubiologe ist natürlich unabhängiger.
Hätte da auch 1-2 im Blick aus der näheren Umgebung (Wernigerode)




Ich bin in meiner jugendlichen Naivität davon ausgegangen, dass die Versicherung schon Gutachter, Zimmerman o.Ä. bezahlt, damit der Schaden bewertet + behoben werden kann.

Wenn ich die 300€ jedem Gewerk zur Einschätzung nun selber zahlen muss, damit jemand sagt was Sache ist, bleiben vom möglichen "Deal" ja auch nur Summe X-300€ zum selber reparieren über, versteht ihr?




Nebenthema: Wenn ich der Situation schon etwas Gutes abgewinnen will, dann höchstens folgendes: Da das Wohnzimmer so oder so aufgerissen werden muss habe ich endlich die Möglichkeit (und den triftigen Grund), mich von GK, Mineralwolle, Zementmörtel und Kalksandstein zu befreien und zumindest den ersten Raum fachwerkverträglich zu sanieren...

ein altes Haus


05.12.2018 1zelner

und insbesondere ein Fachwerkhaus ist eine Liebhaberei. Das muss kein finanzielles Desaster werden, wenn man sich selbst helfen kann, offene Augen hat für Kleinanzeigen und angebotene Dinge, die man gebraucht nutzen kann etc.

Wenn man es schlau anstellt, besorgt man sich ein unter Denkmalschutz stehendes Haus und setzt sogar bei Eigennutzung 90% der Kosten von den Steuern ab.

Man schmeißt aber das Geld nicht zum Fenster raus...

Was stören Sie die Kalksandsteine - wenn die ordentlich eingebaut wurden, können Sie die auch mit Kalkputz von innen verputzen. Die Heizungsrohre können Sie ja einfach in der Wand lassen und neue Rohre ordentlich auf Putz verlegen.

@ 1zelner


05.12.2018 alexander_klutzny

Ich brauch wohl noch ein, zwei Tage bis mein "Oh mein Gott, Auszug & Verkauf" in ein "Jo wir schaffen das" umschlägt...

Ich bin da genau Ihrer Meinung, alte Techniken, selber machen, Baustoffe recyclen, dann weis man was man hat, es passt eben zu meinem absoluten Liebhaber - Haus :)
Die tägliche Ebay-Kleinanzeigensuche zu Fachwerk, Lehm, Lehmsteine usw. gehört dazu. Nach den ersten Decken-Instandsetzungserfolgen mit Lehm und Kalk bin ich da auch zuversichtlich.

Die Hölzer zu tauschen muss ich so oder dem Profi überlassen.
Technisch im Detail gesehen kommt da sicherlich einiges an Recherche auf mich zu, weil ich bisher nunmal keinen handwerklichen Background hatte:
- Kalksandstein und deren Eigenschaften in Gefachen sind ja ein vieldiskutiertes Thema hier im Forum
- Art und genaue Planung der Innendämmung HWF, Schilf, ...
- Wie sieht der Anschluss der Innendämmung an den Estrich/Beton am Rand aus, Randdämmstreifen ecetera pp.

Heizungsrohre oberirdisch
--------
Danke für die Anregung, klar - ist der einfachste Weg um nächstes Jahr nicht an der nächsten Eckverbindung wieder einen Zimmerbrunnen zu haben.