Welcher Estrich auf Rauspund?


10.06.2019 Michaela 10 1070

Liebe Freunde des Fachwerks,
Im Zuge der energetischen Ertüchtigung unseres ~1730 erbauten Bauernhauses hatte vor gut einem Jahr eine Firma folgenden Bodenaufbau vorgeschlagen und durchgeführt (von unten nach oben): Betonkies 0-16 ca. 20cm, Weißjura-Kalksplit 2/5 ca. 30cm als kapillarbrechende Schicht, darauf 16cm dicke Lagerbalken über Kreuz und mit Vermiculite Schüttdämmung 3-6 mm verfüllt. Darauf 3cm Fichtebretter. Darauf wiederum als *Sonderkonstruktion* einen etwa 5cm dicken Lehmestrich mit Baustahlmatten bewehrt und anschließend unter Verwendung von Lehmkleber drübergefliest (Keramikfliese, 24x27cm). Nun lösen sich nach und nach die Fliesen, vor allem da wo's feucht wird, und der Boden federt stark. So wie wir das sehen scheint die gewählte Estrichvariante mit dem Bodenbelag nicht kompatibel zu sein. Weiß jemand eine Alternative zum Lehm? Wir sind für jeden Tipp dankbar!

Leider musste ich lachen … 



Hallo

Welchen "Spezialisten" haben Sie denn da gefunden?

Lehmestrich mit Stahlbewehrung … hört sich ja toll an … das ist aber auch schon alles … und dann noch auf einer zweifelhaften "Balkenlage" … sorry … Hatte der den Einfall am 1. April?

Fliesen im Dünn- oder Mittelbett brauchen etwas FESTES drunter … vor allem kein HOLZ und keinen LEHM … Holz als Untergrund ging damals bei Vitruv noch ganz gut … aber dann sollte man den gesamten Aufbau übernehmen … und in KALK arbeiten … 

Dieses Konglomerat aus Ökofantasien und Do-It-Yourself-Schnapsideen sollte man dem Erstellen um die Ohren hauen … sorry … 

Ab dem Splitt alles neu machen … auch ohne Zement und ohne Beton geht das … allerdings müssen Sie dann auf die Fliesen verzichten und Natur- oder Kunststeinplatten umschwenken … in einem Kalkbett … 

Bei dünnen Fliesen brauchen Sie einen tragfähigen nicht-schwingenden Estrich … aus Zement und Beton … und einen geeigneten Fliesenkleber … 

Gutes Gelingen

Florian Kurz

und reklamieren


10.06.2019 Pope

Sie haben noch Gewährleistung auf die erbrachten Leistungen.

Au weia,


10.06.2019 Michaela Rust

So etwas in der Art hatte ich befürchtet. Vielen herzlichen Dank für die Antworten in jedem Fall schon einmal! Es wäre mir deutlich lieber gewesen, wenn es eine Variante ab Rauspund geben würde bzw gegeben hätte, zumal der Untergrund samt Lagerhölzer beim Entkernen damals furztrocken war. Aber gut, das Leben kann manchmal hart und grausam sein ??. Reklamieren werden wir in jedem Fall, hat schließlich einen Haufen gekostet...

DA liegt der Hund begraben … 



So eine Konstruktion wird nie besser … 

Das Fundament trägt das Haus … und nicht ein Zwischenboden … 

Der GRUND muss passen und tragfähig sein … und eine Holzkonstruktion zwischen einem feuchten Boden und einer relativ dichten Fliesenschicke zu packen ist einfach schlicht BESCHEUERT … 

Falls Sie da eine gutachterliche Bewertung brauchen … gerne … 

Florian Kurz

Das ist...



...eine Pilzzucht par exellence.

Es wird nur der Abriss bleiben. Besser jetzt als später.

Grüße

Thomas

Total unmöglicher Bodenaufbau



Wenn ich die Beschreibung richgtig lese ergibt das eine Gesamthöhe des Bodenaufbaus von ca 92 cm.
War der Hohlraum schon vorhanden oder mußte dieser erst ausgeschachtet werden?

Warum auf den Betonkies noch Kalksplitt als Kapillarsperre?
Betonkies wäre schon völlig ausreichend, wobei eine Abdichtungsbahn viel günstiger wäre und Höhe einspart.
Eine Holzkonstruktion bei einem derartigen Aufbau zwischen Kies und Lehmestrich mit Fliesen einzusperren ist höchst riskant und schadensträchtig.

Zumindest Fliesen und Lehm entfernen, dann könnten ggf auf die Balkenkonstruktion Holzdielen als Bodenbelag oder alternativ u.U. auf einer dünnen Holzfaserplatte zB Creaton- Ton-Trockenestrichplatten verlegt werden- vorher Untergrund auf Feuchtigkeit und Ebenheit überprüfen.

In jedem Fall ist die ausführende Firma schadensersatzpflichtig, da keinerlei bautechnische oder auch wirtschaftliche Anforderungen erfüllt werden.

Danke für die Bewertungen!


18.06.2019 Michaela

Ich merke, dass obwohl die Beurteilungen aus verschiedenen Zunften kommen, jeder zu einem ähnlichen Resultat gelangt.
@ Andreas Teich: zu Ihrer Frage wegen den 90 Zentimetern, ja teilweise wurde so tief gegraben, teilweise aber auch verfüllt (ein ca 12 qm großer Kellerraum wurde aufgegeben und zugeschüttet). Wegen den CREATON-TON-TROCKENESTRICHPLATTEN... Verstehe ich das richtig dass diese auch gleich den Endbelag darstellen sollten?
Wir haben nun jedenfalls beschlossen, in diesem Fall unsere soziale Ader zu ignorieren und werden von unserem Gewährleistungsanspruch Gebrauch machen. In jedem Fall vielen herzlichen Dank an alle die hier geholfen haben!

Creaton Trockenestrichplatten



Stimmt- die können als fertiger Bodenbelag verwendet werden,
sollten in dem Fall aber behandelt werden, ähnlich wie Cotto-Fliesen, da es sich um offenporige Tonplatten handelt.

Wem die Originaloptik nicht gefällt kann Fliesen bzw Parkett darauf verkleben oder schwimmend verlegte Bodenbeläge.
Für die Creatonplatten gibts auch Fußbodenheizungen, die dünnere Aufbauten ermöglicht als sonst übliche Systeme.

Bei derart großen Hohlräumen hätte ich eine Lage Balken verlegt statt 80 cm aufzufüllen- mit Fußbodenklappen hätte das auch als Stauraum dienen können.

Ich würde hier...



...nicht schon wieder isoliert über Materialien reden. Der gesamte thread beweist, daß Sie als Bauherr den Planer nicht ersetzen können. Also, suchen Sie sich einen Ebensolchen, sonst bauen sie bald das nächste Fiasko.

Wessen Idee war der bestehende Aufbau überhaupt?

Grüße

Thomas

Lieber Thomas, das war...


19.06.2019 Michaela

... Nicht unsere Idee. Geplant hatte die Sanierungsfirma damals das ganze selbst und den Bodenaufbau wohl zusammen mit einer Lehmbaufirma ausgetüftelt. Dieser wurde dann nach einiger Überzeugungsarbeit seitens der Firma sowohl vom Energieberater als auch von der Denkmalbehörde durchgewunken. Du siehst also, es spielte auch eine gute Portion Pech mit, dass der Aufbau bei so viel Fachkompetenz nirgendwo hängen geblieben ist. Wir selbst sind keine Profis und müssten eigentlich auf den (vermeintlichen) Profi vertrauen können oder sehe ich das falsch?
Für die weiteren Arbeiten haben wir mittlerweile einen Architekten gefunden... Nur dieser Boden ist halt bereits drin.
Grüßle Michaela