Innendämmung 2 schalige Fachwerkaussenwand


16.09.2020 motonom 11 160

Hallo liebes Forum,

wir sind seit längerem dabei einen Neubauernhof (kleines Fachwerkhaus) in Brandenburg zu sanieren.

Das Fachwerk wurde vom Zimmermann bereits instandgesetzt und es wurde auch eine neue horizontal- und vertikale Feuchtigkeitssperre durch eine Fachfirma angebracht. Die alten Fenster wurden von uns aufbereitet und sollen später durch eine Art Doppelkastenfenster ergänzt werden. Die Fachwerkaussenwand (nicht das ganze Haus besitzt ein Fachwerk) wurde zwei schalig gebaut:
- 11,5 cm Fachwerkständer Gefache ausgemauert und mit Zementputz versehen
- ruhende Luftschicht
- 11,5 Volltonziegel / Vollklinker
- 1,5 cm Kalkputz

Den Kalkputz haben wir letztes Jahr abgeschlagen damit die Wände trocknen können, lässt sich auch mit einem Feuchtemesser nachvollziehen. Jetzt sollten die beiden Räume wieder wohnlich werden und ich plante eine leichte Innendämmung mit 40mm Steico Internal und einem Lehmoberputz.

Der u-wert Rechner ubakus.de rechnet mir hier hohe Tauwassermengen in der Holzfaserdämmung und beruhigt dann wieder in den Kommentare. Darum meine Frage: hat jemand Erfahrung mit einem ähnlichen Wandaufbau und eventuell einen besseren Vorschlag.

Danke im voraus!

Auswertung ubakus des geplanter Wandaufbau


16.09.2020 motonom

Hier noch ein Bild des bis dato geplanten Wandaufbaus im ubakus.de

Innendämmung


16.09.2020 Pope

ubakus ist für die Simulation von Innendämmungen nicht geeignet, da, wie von Dir bereits bemerkt, die kapillaren Eigenschaften der Baustoffe nicht berücksichtigt werden. Eine Innendämmung würde in Deinem Wandaufbau die Taupunktzone noch weiter nach innen bringen. Wenn überhaupt eine Dämmung gewünscht ist, wäre eine Außendämmung vorzuziehen bzw. die Innendämmung mit einer Wandheizung zu kombinieren.

Ruhende Luftschicht


16.09.2020 Achsnick, Mario

Bitte auch prüfen, ob die Luftschicht wie angenommen ruht. Gerade bei nachträglich eingemauerten Innenschalen ist die Abdichtungen im Deckenbereich, hinter der Fußpfette oder durch andere Störungen nur noch eine theoretische.

Ruhende Luftschicht



Ohne das Haus, bzw. die Wand gesehen zu haben, gehe ich sogar noch einen Schritt weiter als Mario.
Die Luftschicht ist nicht ruhend, denn ein Fachwerk ist an sich nie luft- bzw. winddicht.
Da das Holz jahreszeitlich bedingt ständig quillt und schrumpf sind allein schon die Anschlussfugen der Gefache immer undicht. Mal mehr, mal weniger, aber nie ganz dicht.

LG,
KHH

Kombination Holzfaserdämmung & Lehmputz


17.09.2020 motonom

Vielen Dank für die Antworten. Eine Aussendämmung ist nicht möglich da das Haus zu einem Denkmal gemacht wurde. Die Luftschicht habe ich als ruhend bezeichnet da ich keine konstruktive Belüftung des Zwischenraums sehe. 100% luftdicht ist es sicherlich nicht, wie bereits geschrieben.

Bis jetzt bin ich davon ausgegangen dass die Kombination Holzfaserdämmplatte und Lehmputz Feuchtigkeit aufnehmen und auch wieder abgeben kann, ich mir also kein Schimmelproblem damit einhandel. Ich zitiere mal die Steico Broschüre: "Dank des kapillaren Wassertransports
wird die gepufferte Feuchtigkeit an die Plattenoberfläche transportiert, so dass eine Abtrocknung
durch das Mauerwerk oder auf der Rauminnenseite ermöglicht wird. Eine Dampfbremse wird nicht benötigt"

Da eine Besichtigung für die meisten hier wohl nicht so einfach machbar ist, vielleicht die Frage welche Infos / Bilder noch wünschenswert wären um einen hilfreichen Rat geben zu können.

Freue mich auf weiteren Input, danke!

Wir haben das sehr kostengünstig gelöst


17.09.2020 Rasko

indem wir unsere Töchter einfach haben Kaugummi kauen lassen. Kleben gut und ist diffusionsoffen. Sie haben jeden Tag mindestens fünf gekaut und meine Frau hat sie an der Wand breitgezogen. Nach genau dieser Formel ergibt sich die nötige Menge: H3+1{2xQ-3/4X

Fachwerkwand


17.09.2020 Pope

wie ist die Ausrichtung der Wände ( Himmelsrichtung) ? Ich habe die Wandaufbauten noch nicht ganz verstanden. Ein Teil der Außenwände hat also den beschriebenen 2 schaligen Aufbau und die anderen? Welche Wand ist mit Fachwerk gebaut?

Ausrichtung Nord-West


17.09.2020 motonom

Ich wollte sagen dass das Haus nicht komplett Fachwerk ist, der hintere Teil sind massive Wände. Hier war früher wohl Stall & Heuboden.

Es geht um den vorderen Teil des Hauses, hier ist der beschriebene Wandaufbau (von draußen nach Innen):

- 11,5 cm Fachwerkständer Gefache ausgemauert und mit Zementputz versehen
- ruhende Luftschicht
- 11,5 cm Volltonziegel / Vollklinker
- 1,5 cm Kalkputz (abgeschlagen)

Es geht um die im Bild skizzierten Räume, diese sind nach Nord/West ausgerichtet und hier auch die Wetterseite. Geplante Nutzung: Schlafzimmer und Büro.

Danke für alle hilfreichen Kommentare :)

Wetterseite


17.09.2020 Pope

das sind die Seiten, die im Spätherbst/Winter/zeitiges Frühjahr eine hohe Feuchtebelastung in Kombination mit geringem Solareintrag umgehen müssen. Eingedrungene Feuchte wird hier erst im Sommer rauskönnen.
Wir konnten unter dem Aspekt der Erhaltung der Bausubstanz mit der Argumentation der Schlagregenbeanspruchungsklasse 2 den Denkmalschutz überzeugen, die Fassade rückbaubar mit einer Lärchenschalung zu versehen. Nochmal die Frage nach einer Wandheizung in dem Bereich.

Wandheizung


17.09.2020 motonom

Danke für den Input, die Fassade verkleiden dürfte bei dem hiesigen Denkmalamt nicht wirklich funktionieren und da die Fassade bereits "fertig" ist, würde ich diese Option einmal außer acht lassen. Wandheizung stehe ich grundsätzlich positiv entgegen, soweit ich das gesehen habe werden die Steico internal Holzfaserplatten auch als Untergrund für eine Wandheizung verwendet. Es gibt auf der Steico Seite jedenfalls einen entsprechenden Verarbeitungshinweis in Verbindung mit einer WEM Wandheizung. Eine Wandheizung benötigt doch auch eine Dämmung, oder?

Welche Vorteile würde sich bauphysikalisch für mich daraus ergeben? Gerne auch weitere Vorschläge.

VG

Innendämmung und Wandheizung


17.09.2020 Karl-Heinz Hubel

Wie Pope schon beschrieb ist die Fassade durch die Ausrichtung stark feuchtigkeitsbelastet, hat dagegen aber wenig (evtl. zu wenig) Zeit wieder auszutrocknen.
Um den Rücktrocknungsprozess zu unterstützen sollte auf jeden Fall eine Wandheizung installiert werden.
Allerdings idealerweise ohne, oder nur einer dünnen, 2 cm dicken Innendämmung, damit die so, gerade in der naßkalten Jahreszeit von innen kommende Wärme die Feuchtigkeit nach außen aus der Wand drängt. Das ist zwar energetisch nicht besonders toll, würde aber der Wand helfen.
In dem Fall ist der Knackpunkt der, dass der Hohlraum den Wärmestrom unterbricht, bzw. stark reduziert. Die eigentlich gefährdete Außenschale wird nur noch durch die Strahlungswärme der Innenschale "beheizt".