geschwärzter Birnbaum



Moin,
nur wegen der fachlichen Bildung: Immer mal, letztens in einem Parkettfachbuch aus den 60er Jahren begegnete mir das "geschwärzte Birnbaumholz" Ich habe sogar selbst ein Stück davon. Das Holz hatte als ich es bekommen habe einen eigentümlichen rauchig, rußigen Geruch und wenn man es hobelt gibt es keine Späne sondern eher so Krümel. An sonsten ist es normal hart und abriebfest und geeinet für allerlei Tischlerarbeiten. Die Dicke meines Stückes ist ca 5. mm und es ist komplett schwarz durchgefärbt wie Ebenholz oder Grenadill. Es muss aber auch wesentlich dickere Stücke geben. Laut Wikipedia wurde es z.B. auch für Orgeltasten benutzt. Gerne wüsste ich, wie das Holz diese schwarze Farbe bekommen hat. Vielleicht kennt ja jemand das "Geheimnis" und verrät dazu etwas.
Beste Grüße.
Stefan


15.11.2020 Mario

Das Holz wird "geräuchert". Gerbsäurehaltige Hölzer wie beispielsweise Eiche werden bei der Begasung mit Ammoniak schwarz. Solch schwarz verfärbten Hölzer kennt man aus Stallungen. Zum Beizen werden Hölzer mit Gerbsäureextrakt aus speziellen Eicheln (Tannin) bestrichen und dann mit Eisen(II)sufat-Lösung (Eisenvitriol) behandelt, was ebenso eine Schwarzfärbung verursacht.

Aufgrund des ...



rauchig /rußigen Geruches vermute ich eher eine thermische Behandlung oder eine Kombination aus chemischer und thermischer Behandlung.

Mit Tannin und Eisensalzen behandeltes Holz riecht nach nichts. Außerdem werden starke Stücke wohl kaum durchfärben. Selbst Furniere muß ich lange köcheln. Da Birnbaum keine nennenswerte eigene Gerbsäure hat, wird es immer schwierig gewesen sein, Gerbsäurelösung cm - tief in's Holz zu bekommen. Mit Bestreichen wird es jedenfalls nichts.

Grüße

Thomas

Heißer Sand


15.11.2020 DieRestaurette

Das Holz wurde in heißem Sand verkohlt. Das machte man auch zum Schattieren bei Intarsienarbeiten zB bei den Arbeiten aus den Vierlanden.

Zum Schattieren...



...ist auch mir der Gebrauch von Sand vertraut.

Für stärkere Hölzer habe ich davon noch nichts gehört. Der Vorteil größerer Gleichmäßigkeit und Regelbarkeit liegt aber auf der Hand. Hast Du dazu Quellen?

Eine spannende Sache

Grüße

Thomas

geschwärzter birnbaum


16.11.2020 Stefan

ja moin,
danke für dei Ideen. Aber das Richtige wird nicht dabei sein. Räuchern fällt aus, wegen fehlender Gerbsäure in der Birne anders natürlich als bei Eiche oder Robinie. Und wenn es dann riecht dann nach Amoniak. Glühen in Sand fällt auch aus wegen der Gleichmäßigkeit über größere Dimensionen. Das kenne ich auch nur vom Schattieren. Der, wo ich es her habe hat was gesäuselt von Frost und Ruß. Aber genau wusste er es wohl auch nicht. Beeindruckend ist, dass der Begriff in einem Fachbuch aus den 60ern und auch bei Wikipedia ganz selbstverständlich auftaucht, aber heute keiner mehr weiß wie es geht... Wichtig muss aber die Birne sein. Weil, von geschwärztem Apfel, Pflaume Nuss oder sonstwas hört man (ich) nichts. Außer Furnier vielleicht, was sich eher mal färben lässt als z.B. ein Brett.
Stefan

Nicht glühen...



...aber erhitzen. Ich halte das für möglich.

Thermoesche wird ja auch dunkelbraun. Würde man mehr erhitzen, würde es sicher dunkler - und spröder. Genau wie bei Deiner Probe. Thermoesche riecht ja auch sehr charakteristisch.

Ich denke, das Erhitzen im Sand könnte historisch gesehen die heute mögliche Regulierung ersetzen.

Ist sehr interessant. Wenn mir mal ein Birnbaumklötzchen vor die Füße fällt, gönne ich ihm ein Sandbad. Der Topf steht immer bereit. Nach meinem Holzhändler bekommt Thermoesche rund 190 Grad ab. Vielleicht dann mal beim Birnbaum 220 Grad?

Irgendwo habe ich gelesen, daß Eibe gleichfalls geschwärzt wurde.

Grüße

Thomas

geschwärzte birne


16.11.2020 Stefan

ja, Versuch macht kluch. Bei den Thermohölzern wird soweit ich weiß zumindest teilweise unter Sauerstoffabschluss gearbeitet damit die Fuhre nicht in Flammen aufgeht vermute ich mal. Das dürfte mit handwerklichen Gerätschaften schwierig sein. Spannend auf jeden Fall.
Beste Grüße.
Stefan

Es hat mir...



...keine Ruhe gelassen, und ich habe bei Prof. Hans Michaelsen (ehem. FH Potsdam) nachgefragt. Mit u.a. Eiche haben sie, so seine Antwort, schon vor 20 Jahren sehr schöne Erfolge in einem Gasherd erzielt. Zu einer historischen Quelle schreibt er: "Bei Massivholz hat man anscheinend tatsächlich mit Wärme gearbeitet. Im "Handbuch für Künstler" von H.F.A. Stöckel, 1795 findet sich auf S. 187 eine Anweisung, "birnbaumene Furniere in einen Backofen, dessen größte Hitze schon verflogen ist, zu legen. ...so werden sie sehr bald durch und durch ganz schön schwarz werden..." Weiterhin schreibt er, im 19.Jh. hätte man "wohl auch unter Vakuum und Druck ätzende Beizmittel in das Holzgefüge eingebracht"

Die Sache mit dem GASherd scheint mit bedenkenswert, da wird's wohl nicht ganz so trocken.

Also, wenn Ihr 'mal wieder den Inhalt des Gasherdes vergessen habt, vielleicht wird der schwarze Quarkkuchen noch ein schöner Ebenholzersatz :-)

LG Thomas

schwarze birne


16.11.2020 Stefan

Interessant...

Ist schön


20.11.2020 Malermeister | Thomas Lingl |

hier mitzulesen.

Und es ist schön...



...von Dir zu hören. Alles bunt bei Lingls?

LG Thomas

Hier...



...die Stelle im Stöckelschen Original.

Dieser H.F.A. Stöckel ist ein interessanter Mann. Einst Reuß'scher Hofschreiner in Schleiz, blieb ihm doch Zeit und Muße, ein ganzes Dutzend Bücher mit dem gesammelten (und oft wohl auch von ihm praktiziertem) handwerklichen Wissen zu Holz, Farbe, Leder, Bernstein und das Kupferabziehen auf Holz zu schreiben.

Wer sich die Mühe macht, die Rezepte im Original zu lesen, wird freilich oft zur Bezeichnung der Substanzen und ihrer Dosierung mehr Fragen als Antworten finden.

Epochal deshalb das Werk von Hans Michaelsen zum Thema:

Vom Färben des Holzes - Holzbeizen von der Antike bis zur Gegenwart (2006)
Quellentexte zum Färben des Holzes (2012)
Die Kunst des Holzfärbens - Neuere Forschungen zur Farbpalette der Ebenisten (2020)

Was darin nicht zu finden ist, hat es möglicherweise nie gegeben :-)

Bunte Grüße

Thomas