Alten Lehmputz überputzen


18.11.2020 Schievel 7 354

Hallo Freunde,

Ich bin neu hier im Forum, da ich aber keinen Vorstellungsbereich oder -Thread gefunden habe, lege ich einfach mal direkt los.

Ich habe im oberen Bereich meines Treppenhauses einen ziemlich hässlichen Strukturputz aus Zement, den man über eine mit Lehm verputze Wand einfach über den Lehmoberputz (sogar einfach über die Tapete) drübergeputzt.
Diesen möchte ich entfernen und dann die Wände wieder mit Lehm glatt verputzen.

Den Zementputz habe ich schon entfernt. Dabei ist das meiste von dem Lehmputz drangeblieben, durch die Tapete darunter lies sich der Zementputz recht einfach mit der Spachtel abhebeln.
An manchen Stellen allerdings ging das nicht, hier musste ich mit den Meißel ran und es ist auch teilweise der Lehmunterputz mit rausgekommen.

Zudem kam unter dem (Struktur)Oberputz auch so manche Zementputzecke zum Vorschein. So sind die Elektroleitungen zum Beispiel in Mörtel gelegt. (Es ist jedenfalls definitiv kein Gips.

Mein Plan ist nun die restlichen losen Lehmstücke zu entfernen und dann anzufeuchten und mit einem Lehmunterunterputz die rausgebrochenen Stellen zu füllen so das ich wieder eine glatte Wand habe. Dann mit Lehmoberputz dünn drüber.
Ich bin in der Lehmgeschichte noch ziemlich Grün hinter den Ohren, weshalb ich hier nochmal nachfragen Wollte ob das so geht und welche Tipps ihr noch habt.
Kann man denn mit dem Lehmputz so kleine Stellen von Zementputz überputzen oder hält das garnicht?

Und der Lehm der mit dem Zementputz rausgekommen ist, ist natürlich jetzt mit diesem vermischt. Aber kann ich den Lehm, den ich jetzt noch entferne auch unter den neuen Unterputz druntermischen?

Anbei ein paar Bilder zu Beurteilung der Wand

Die eingemörtelten Elektroleitungen


18.11.2020 Schievel

Hier einfach mit Lehmputz drüber? Bringt einstreichen mit Lehmschlämme was?

Löcher


18.11.2020 Schievel

Hier ist der Lehmputz komplett abgebröckelt

Alte Lehmwand Überputzen


18.11.2020 Flakes

Moin und willkommen im Forum,
So eine alte Lehmwand wieder hübsch herzurichten geht Problemlos.
Allerdings sehe ich auf dem Dritten Bild einen Holzbalken ,dort wo der Lehm Komplett abgebröckelt ist ,oder?
Falls das so ist würde ich diesen, und alle anderen Balken Freilegen, das Holz begutachten und dann ,falls das Holz noch Tüchtig ist mit einem Schilfrohrputzträger versehen und Anschliessend mit dem abgeklopften Lehm erstmal wieder Zuwerfen.Den Lehm dafür 1 Tag vorher in Wasser einsumpfen.
Das ganze dann erstmal auftrocknen lassen.
Daraufhin dann die Komplette Fläche etwas Vornässen Und mit Lehmunterputz eine Fläche erstellen und Gewebe einlegen,mindestens 145g pro qm und mindestens 7+7 mm Raute, Gewebe jeweils 10 cm Überlappen lassen.
das ganze wieder Trocknen lassen,
Dann kann man mit Lehmoberputz oder Lehmfeinputz ein Finish machen.
Mit Mörtel eingeputzte Leitungen kann man mit Lehm Gut überputzen ,allerdings würde ich auch hier die Tiefen Fehlstellen mit dem altbestand verputzen.
so würde ich das machen, es gibt hier im Forum zu dem Thema altbestand verwenden allerdings immer sehr unterschiedliche Meinungen.
aber dazu kommen wir bestimmt noch:)
gutes gelingen wünscht Flakes

Vielen Dank


19.11.2020 Schievel

Für Ihre Antwort. Das mit den Balken hatte ich schon gelesen, dass da Schilfrohr drüber sollte. An anderen Stellen hält der Putz aber noch sehr gut am Balken.
Ich bin mit meiner Frau noch am „überlegen“ ob da Sichtfachwerk hin soll.

Um ein Gewebe (normales Armierungsgewebe aus denn Baumarkt oder auch Schilf?) einzulegen, müsste ich aber den alten Putz weiter entfernen. An vielen Stellen ist ja nur die oberste Zementputzschicht, die nur 1-2 mm dick war, entfernt. Die Oberputzschicht soll dann genauso dick wieder werden. (Geht das überhaupt?) Die Wand schließt dann bündig mit dem Türrahmen ab, weiter möchte ich sie nicht aufbauen.

Wie bereitet ihr alten Lehm auf? Ich meine, ich habe ja hier meistens recht kleine Bröckchen, aber wie sieht’s aus wenn man mal größere Brocken hat zb Lehmziegel? Reicht es die mit dem Hammer kleinzuklopfen und dann einzusumpfen oder muss das Mehl sein?

alten lehm verwerten


19.11.2020 Flakes

Moin den Alten Lehm würde ich 1 Tag Einsumpfen und dann einmal mit einem Quirl aufrühren, dann ist er Klumpenfrei und verwendbar, vielleicht noch ein wenig Maurersand dazugeben weil Früher waren die Mischungen oft zu Fett.
Sollte das zu viel Mühe machen dann den Alten Lehm entsorgen aber ich finde das halt immer schade:)
Es ist ein Trugschluss zu glauben das der Lehm auf den Anderen Balken noch hält weil Lehm und Holz ohne Putzträger gehen Keinerlei Verbindung ein ,der Lehm Hält nur weil er sich links und Rechts des Balkens an den bestand "krallt".
Sollte sich auf den Anderen Hölzern allerdings Stroh mit Weidenruten befinden ist das quasi ein Putzträger und der Hält dann auch.
Gerade beim Überputzen einer Fachwerkwand würde ich auf Keinen Fall auf Gewebe Verzichten wenn kein Platz dafür Vorhanden ist dann Raspel doch 5 mm vom Bestandslehm ab.
Und was Ist gemeint mit Baumarktgewebe?Ich rede von Glasfasergewebe Kunststoffumantelt, mit mindestens 145g pro qm,das gibt es bestimmt auch im gut sortierten Baumarkt ich kaufe meins allerdings im Baustoff Fachhandel.
Früher hat man auch Jutegewebe verwendet aber das ist leider aus der Lehmbau DIN rausgeflogen weil nicht Verschiebefest und etwas schwieriger zu Händeln
Mit dem Sichtfachwerk das würde ich Lassen weil der Bestandslehm jetzt schon Sehr dick auf der wand Hängt, das ergibt dann eine Komische Optik, ein sogenannter Kissenputz mit sehr vielen Holzanschlüssen die alle Fachgerecht angearbeitet werden wollen im Treppenaufgang bietet sich eine Glatte Wand schon eher an..
soviel dazu in aller Kürze gutes gelingen wünscht Flakes

Ja


19.11.2020 Schievel

das dachte ich auch mit dem Treppenaufgang. Kissenputz finde ich nicht so dolle, für Sichtfachwerk würde ich eher alles runter schmeißen und dann die Gefache dünn verputzen. Elektrosachen dann natürlich auch freiklopfen und dann tiefer in die Wand damit wieder alles auf einer Höhe ist.
Ich versuche die Holde noch davon zu überzeugen, dass das nichts ist. Sind beides Innenwände, daher kam sie auf die Idee. Aber soviel zum politischen.

Zum einsumpfen von Lehm habe ich viel gefunden, der eine wässert ihn mit viel Wasser, schöpft die organischen Bestandteile ab und schüttet am nächsten Tag das überschüssige Wasser ab.
Der nächste meint damit hat der Lehm quasi immer zuviel Wasser.
Du scheinst das schon ein paar Mal gemacht zu haben und Ahnung zu haben. Wie machst du es? :)

Mit Baumarktgewebe meinte ich genau das. Das normale Glasfaserzeugs. Angesichts von Schilfrohr und Stroh dachte ich, dass man da auch was natürliches nimmt.

Wie oben Beschrieben


20.11.2020 Flakes

Würde Ich, wenn es was Natürliches sein Soll ein Jutegewebe Verwenden
Ich als Fachbetrieb darf es aber nicht mehr verwenden:)
Wobei ich Damals mit Jute sehr gute Ergebnisse erzielt habe..
Den lehmaltbestand kann man natürlich ganz flüssig durch ein Sieb kippen und die Organics aussieben, wenn ich den Lehm allerdings sofort an der selben wand wiederverwenden möchte dann kann ich mir das Sparen.

Zumal man den Lehm dann komplett neu "einstellen" müsste.
also man müsste Sand und Stroh wieder zufügen bis die mische Passt.
Und um einen Lehmputz richtig einzustellen braucht man sehr viel Erfahrung im Umgang mit dem Material.

Heute sind wir Lehmbauer dazu verdonnert nur noch gekaufte Produkte zu Verwenden und somit geht langsam aber sicher das wissen um die Putzherstellung den Bach herrunter weil es einfach nicht mehr gelehrt wird aber das ist ein anderes Thema:)

und aus dem Grund würde ich auch empfehlen nur das Löcher Flicken mit dem Altbestand zu machen und den Unterputz mit Gewebe und auch den darauffolgenden Oberputz zu Kaufen..
greets Flakes.