Erdfeuchten Lehmboden aufarbeiten


12.01.2021 Hendrik 4 171

Hallo,
ich bin der Neue hier. Wir haben gerade ein altes Cottage in Irland gekauft und wollen dies nun auf vordermann bringen. Meine Frage, wie kann man frischen Lehm aus einer Baugrube am besten aufarbeiten , da ich eine grössere Menge brauche?
das sind teilweise richtige feste Schichten die in Klumpen rauskommen.

Sollte er getrocknet werden und dann zerstossen?
oder eher erstmal waessern und schlaemmen?

Über tipps und tricks waere ich sehr dankbar.

Leider kann man Lehm nicht in Bigbags hier kaufen drum muss ich meine mischungen selbst herstellen.
Soll für Fussboden und als Putz mit den jeweiligen zuschlagsstoffen genutzt werden.

danke
Hendrik

Lehm brauchbar machen


13.01.2021 Flakes

Moin Hendrik ich habe hier schon oft geschrieben wie man Lehm aufschliesst um in zu nutzen,aber ich tu es auch gerne nochmal:)
wenn ich soch Klumpiges material habe hört sich das nach Fettem Lehm an,den würde ich Wässern und dann aufquirlen und durch ein Sieb kippen damit hast du den Lehm dann frei von Organics und grösseren Steinbrocken und die komplette Klebkraft freigelegt,,
mit dem Flüssigen lehm kannst du dann Putzproben erstellen zb 1 Raumteil Lehm und 3 Raumteile Sand und andere Zuschschlagstoffe wie zb gehäckseltes Stroh.
die nachste probe dann 4 zu 1 usw... das ganze dann so lange probieren bis du ein Produkt hast das weder Reisst noch Absandet nachdem du deine Putzprobe irgendwo hingeschmiert und abgerieben hast.
so richtig Fetter Lehm verträgt sehr viel Sand und zuschlag also musst du geduld haben,aber die Zahlt sich aus.
du sagt leider gibt es bei euch keinen Lehm in bigbags ich würde sagen zum Glück:)
hierzulande sind die meissten Lehmbauer der meinung der Lehm wächst fertig gemischt beim Baustoffhändler im Papierbeutel.. und auf dem Wege geht Handwerk verloren.

wenn du dann weisst mit wieviel zuschlag "dein "lehm gut ist kannst du nach der vorgehensweise auch mischungen für böden und Wandfüllungen selst erstellen...

beste grüße und gutes gelingen wünscht Flakes..

Literaturtipp



Hallo Hendrik,

wie Flakes schon schrieb, um eine für die jeweilige Anwendung passende Lehmmischung herstellen zu können, kommt es vor allem darauf an wie fett,oder wie mager der Lehm selbst ist.
Um das zu testen gibt es schon verschiedene Prüfverfahren. Die aber alle keine große Wissenschaft sind... ;- )
Aber selbst wenn du dann weißt wie der Lehm ist, kommt es wieder auf die Verwendung an.
Z. B. ein sehr dick aufzuziehender Lehmunterputz hat eine grobere Sieblinie (Korngrößenverteilung) im Sand als ein dünn aufzuziehender Lehm-Feinputz.
Ein optimaler Mauermörtel hat eine andere Zusammensetzung als ein Putz.
Strohlehm kann einen extrem hohen Strohanteil haben, Stampflehm wiederum hat gar kein Stroh.
Usw.
Du siehst, man kann keine pauschalen Aussagen machen.

Gerade weil du irgendwann an deiner Cottage sitzt und vielleicht nicht so recht weiter weißt, empfehle ich dir ein paar Euro zu investieren um eins, zwei Fachbücher zu kaufen.
Ein wirklich tolles, weil aktuelles Buch: "Lehmbau-Praxis" von Ulrich Röhlen und Christof Ziegert, ISBN 978-3-89932-125-8.
Ein anderes ist von Franz Volhard "Bauen mit Leichtlehm", ISBN 978-3-0356-0619-5.
Dieses geht mehr auf die "alten" Techniken, Schwerpunkt Stroh-Leichtlehm ein.
Lesenswert sind auf jeden Fall beide.

Ein Tipp schon vorab:
Um eine Probe zu testen, musst du die nicht "irgendwo hin schmieren", sondern schneide zwei gleiche, ca. 40 - 50 cm lange Holzkeile, ansteigend von ca. 2 bis ca. 30 mm (gerne auch 40,50 mm).
Lege die beiden Keile im Abstand von etwa 10 cm parallel nebeneinander auf eine flache Unterlage, fülle den Zwischenraum mit der Lehmprobe und ziehe in über die Keile mit einer Traufel ab und lass den Lehmkeil komplett durch trocknen.
Während der Trocknung werden ab einer gewissen Dicke des Lehmkeils Schwundrisse entstehen.
Je länger die Keile sind, bzw. je flacher sie ansteigen, umso genauer kann man sehen, ab welcher Dicke der Lehm anfängt zu reißen.
So kannst du in einem Zug nicht nur gleich sehen, ob die Mischung sandet oder nicht, sondern auch bis zu welcher Schichtdicke man den Mörtel aufziehen kann, ohne dass er Schwundrisse kriegt. D. h., die erste Anwendungsmöglichkeit hast du schon.

...sagt ein Lehmbauer der auch noch selbst mischen kann, aber trotzdem in BigBags kauft.... ;-)
(Sorry, Flakes, das musste jetzt sein, du hasts provoziert... :-) ....)

Gruß,
KHH

Erdfeuchten Lehmboden aufarbeiten


19.01.2021 Hendrik Lepel

Ich danke Euch für Eure Antworten.
Ganz unerfahren bin ich mit Lehm nicht www.instagram.com/bake_hus und habe auch so meine Testverfahren um die richtige Mischung zu finden.
Jetzt geht es aber um die Haussanierung, und das bedarf ein mehrfach an Lehm.
Drum muss ich meine Frage nochmal anders stellen.
Welche Maschinen und Methoden sind hilfreich um grosse Mengen jungfreulichen Baugrubenlehm(habe Bagger) aufzuarbeiten(sieben etc) und in Konsistenz (verarbeitbar)zu bringen?
Wenn ich aufschlämme, wie kann ich das ganze Wasser entziehen damit ich einen schönen erdfeuchten Stampflehm bekomme der nicht davonläuft.
Lieben Dank für weitere Inspirationen


19.01.2021 Mario

Ich habe mal in einer Ziegelei gearbeitet die auch Lehmprodukte hergestellt hat. Dort läuft die zuvor beschriebene Aufbereitung in anderer Skalierung. Der Grubenlehm wird mit dem Radlader abgebaut und im Kollergang zerkleinert, homogenisiert und dann mit Brunnenwasser aufgeschlämmt, Steine werden hier durch Siebe abgetrennt.

Die Lehmschlämme wird dann in flache Becken geleitet. Der Lehm setzt sich dort ab. Der Überstand an Wasser wird abgeleitet und man lässt den Lehmbrei etwas austrocknen. Dieser wird dann nach Baustoffrezeptur mit Sand und Kies oder Fasserstoffen gemischt, nachgetrocknet oder erdfeucht ausgeliefert.

Bei Stampflehm muss der Wassergehalt minutiös abgestimmt werden, da eine zu feuchte Masse sich beim stampfen "verflüssigt". Man wird hier um Versuche im Originalmaßstab nicht umhinkommen.