Salzbelastung im EG?


20.02.2021 Manu 11 420

Hallo zusammen,
bei unserem Sanierungsprojekt ist bisher alles gut verlaufen und wir stehen wenige Wochen vor den Einzug.

Da gibt es allerdings noch ein Thema das mir Bauchschmerzen bereitet. Nachdem der neue Lehmputz an einer Wand im Flur über 8 Wochen nicht richtig trocknen wollte, haben sich nun meine Befürchtungen anscheinend bestätigt, Salze im Mauerwerk. Der Lehmputz blättert ab, siehe Bild.
Habe mich etwas versucht einzulesen und es Hilft wohl nur eines: Ursache beheben und belasteten Putz entfernen, danach neu Verputzen und hoffen, dass im ersten Durchgang alle Salze vom Lehm aufgenommen wurden.

Mir stellt sich nun die Frage nach der Ursache und hoffe auf etwas Hilfe:

- Die Stelle ist im EG, darunter der Keller. Dort gab es auch Stallungen. Hier ist das Mauerwerk definitv belastet.
Aber ist es möglich, dass die Salze in der Mauer über 3-4m in das nächst höhere Geschoss wandern?

- Eine andere mögliche Ursache wäre eine Verunreinigung bei der Sanierung. Evtl. wurde ein leerer Eimer in dem vorher Streusalz war für die Lehmgrundierung benutzt.
Ist so etwas als Ursache denkbar, welche Salzmenge ist notwendig für ein derartiges Schadensbild?

Danke im Voraus für Eure Antworten.

Grüße
Manu

Es ist sogar


21.02.2021 Alfons

ganz sicher so, dass die Salze die Mauer hochwandern. Solange es keine Trennschicht / Horizontalsperre gibt werden die Salze immer wieder hochziehen. Der Vorteil des Lehmputzes ist, das Lehm diese Salze besser aufnimmt, als alle anderen Opferputze. Also einfach abschlagen und immer mal erneuern.

Sofern Ihr keine Horizontalsperre einbauen wollt, (was bei Ziegelmauerwerk recht einfach wäre) wird Euch das die nächsten Jahre immer mal beschäftigen., Tipp: keine Injektionslösung wählen, sondern Fugenfräsen/Platteneinschub-Horizontalsperre.

Wenn die Salze nicht groß stören, einfach ab und zu neu verlehmen.

Horizontalsperre


21.02.2021 Manu

Danke für die Einschätzung. Hätte nicht gedacht, dass die Salze über mehrere Geschosse transportiert werden können.

Die Mauer ist aus Bruchsandstein, 50cm dick. Daher wahrscheinlich leider nicht so leicht mit der Horizontalsperre, dennoch danke für den Tipp.
Werden zunächst wohl neu verputzen und dann beobachten, wenn der Aufwand zukünftig zu groß wird, bleibt wohl keine andere Maßnahme.

Nach dem Ablehmen...



...und Fugen gründlich Auskratzen könntet Ihr erst einmal mit Vogelfluat behandeln. Unbedingt Gebrauchanweisung beachten!

Ob die empfohlene 3malige Behandlung und nachfolgendes Putzen schon ausreichen, kann man vorher nicht wissen. Eine Reduktion des Problemes ist jedenfalls sehr wahrscheinlich.

Grüße

Thomas

Vogelfluat


21.02.2021 Manu

Vielen Dank für den Hinweis mit dem Vogelfluat, das werden wir mal versuchen.

Grüße
Manuel

Danke


23.02.2021 Manu

Danke auch für diesen Tipp.
Das ist es, was ich an diesem Forum so liebe, die gebündelte Fachkompetenz gepaart mit der praktischen Erfahrung zu den Ausführungsdetails. :)

Grüße
Manuel

Eine Alternative...



...zum Vogel-Fluat wäre auch Ziakosal.
Produktinfos gibts hier:
https://9dde9c4a-f48f-4d03-aabf-f6ea1097c73c.filesusr.com/ugd/074056_606a8cf3563b4af297798bc5e48d2a17.pdf

Marios Beitrag ".... da so die Zeit für das im Putzmörtel enthalte Wasser, neuerlich Salze zu lösen und zu mobilisieren minimiert wird." Muss man in sofern ergänzen als dadurch die erneute Salzkristallisation nur verzögert wird.
Solange die Feuchtigkeit nach zieht, wird der Prozess der Kristallisation nicht aufhören und dadurch der Lehmputz immer wieder ab gesprengt werden. Je nachdem wie viel Salz sich bildet, dauert das entsprechend länger oder kürzer.
Das fatale ist, dass gerade Sandstein sehr viel Wasser (mit den darin gelösten Salze) transportieren kann.

Verringert...



...nicht das Vogelfluat nicht auch die Porengröße, und reduziert dadurch den Salztransport?

Grüße

Thomas


24.02.2021 Mario

Jup.
Das Fluat wirkt "porenfüllend" ebenso "Ziakosal" so das die Kapillarität reduziert wird, was auch die "Salzmobilisierung" aus dem Untergrund reduziert. Ein weitere Wirkung von Vogelfluat ist, das die saure Lösung leicht lösliche Salze in schwer bzw. unlösliche Salze umwandelt. Eine Reaktion die sich manchmal durch aufbrausen der anwendungsfertig verdünnten Lösung bemerkbar macht. Bei Nitraten funktioniert dies leider nicht.

Wenn das Sandsteinmauerwerk (?) trocken ist, sind die Salze ja im Baustoff kristallisiert. Der feuchte Lehm hat diese gelöst und die Tonminerale ziehen die Salzlösung an. Der Lehm wird wohl in der kurzen Zeit bis zur seiner Trocknung so viel Salz eingelagert haben, das er jetzt schadhaft wird. Dies wird absichtlich beim "Opferputz" bzw. Kompressenentsalzung ausgenutzt um so eine Salzreduktion zu bewirken. Der Putz wird absichtlich mit Frischaltefolie länger feucht gehalten um so die Salzwanderung zu unterstützen. Aber auch dieses Verfahren ist nicht immer zuverlässig wirksam.

Eine alternative oder ergänzende Möglichkeit wäre, nach dem entfernen des Putzes und sorgfältigen Reinigung, einen "Sperrputz", etwas über die Schadenstelle hinaus, auf das Mauerwerk aufzutragen.

Hierzu nimmst du Romanzement und feinen Sand (1:1), diese Mischung hat eine sehr kurze Topfzeit. Diesen Mörtel wirfst du mit der Kelle an, so das er auch die Fugen gut aufgefüllt sind und verschlichtest den Anwurf dann mit dem Kellenrücken, so das keine Lunker verbleiben. Die Oberfläche wird zur späteren Putzhaftung rau belassen.

Diese "Mörtelgrundierung" kann man drei Wochen reifen lassen, dann ist sie hinreichend "wasserdicht" so das neuerlich Lehm aufgetragen werden kann.

Sperrputz


24.02.2021 Manu

Danke für den Tipp mit dem Romanzement als Sperrgrund, den Ansatz mit dieser historischen Variante find ich sympathisch. Eine Bezugsquelle hab ich erfreulicherweise hier um die Ecke und werde diesen ergänzend zum Vogelfluat besorgen.

Danke auch an den Vorschlag zu dem Ziakosal.

Ungewollt habe ich mir wohl beste Bedingungen für eine Salzmobilisation in den Putz geschaffen und ihn zum Opferputz gemacht.
Putzarbeiten im Winter (Lehmputz an Wand u. Decke, Estrich). Die Sandsteinmauer als große Wärmebrücke, dazu kalte Zugluft von einer Seite (Nebeneingangstür noch nicht eingebaut, da noch kein Estrich) und feuchtwarme von der anderen (Bereiche mit Wandheizung).
Immerhin zeigte sich so schnell die Belastungssituation.

Mit euren Infos bin ich aber nun gewappnet.

Grüße
Manuel

Sperrputz nein danke



So gehen die Meinungen und Ansichten auseinander....

Wie der Name schon sagt sperrt ein Sperrputz eine Wandoberfläche ab.
D. h., er sperrt die in der Wand aufsteigende Feuchtigkeit ein.
D. h. aber auch, IN der Wand steigt auch nach Auftrag eines Sperrputzes weiterhin die "Salzlake" ungebremst noch höher auf, da sie hinter dem Sperrputz nicht mehr raus verdunsten kann.
Das Problem wird somit nur verlagert.
Ein Sperrputz macht, wenn überhaupt, nur unterhalb einer Horizontalsperre Sinn, die ein weiteres Aufsteigen verhindert.
Hinzu kommt, ein so "hermetisch" eingeschlossener Wandbereich wird bis zur Sättigungsgrenze der Steine durchfeuchtet. Schrauben, Steckdosenkontakte, usw., die in diesem Abschnitt in der Wand sind, werden ziemlich schnell verrosten/oxidieren/vergammeln.

Auch wenn ich kein Fan von chemischen Horizontalsperren (Injektionen) bin, würde ich in dem Fall eher so etwas direkt über dem Fußboden probieren.
Selbst wenn diese chemische Sperre nicht 100% dicht wird, was in Bruchsteinmauerwerk oft der Fall ist, so kann die aufsteigende Wassermenge zumindest erheblich reduziert werden. Was dann die Kristallisation der Salze und somit das Abplatzen des Putzes stark verlangsamt und eingrenzt.

Falls es in dem Fall aus optischen Gründen machbar wäre, gibt es auch die Option, den Sockel der Wand einfach steinsichtig zu lassen und den Lehmputz erst über der Schadenshöhe/Feuchtegrenze beginnen zu lassen.
So kann die Feuchtigkeit in diesem unteren, völlig offenen Bereich optimal aus der Wand heraus verdunsten und es platzt kein Putz mehr ab. Man muss lediglich ab und zu die Salzkristalle von der Wand ab fegen/saugen.


26.02.2021 Mario

@Karl-Heinz

Ich glaube nicht das wir auseinander liegen.

Ich kann leider aus Zeitgründen nicht immer alles durchsehen, das Problem ist hier wohl schon länger in der Erörterung, so das ich auch Informationen übersehen haben kann.

Ich bin davon ausgegangen das hier eine Salzbelastung aus historischer Nutzung vorliegt und abgesehen von hygroskopischer Feuchte keine weitere Feuchtigkeitsbelastung, jedenfalls keine im Mauerquerschnitt "aufsteigende" Feuchtigkeit vorliegt.

Insofern hatte sich der Diskussionsstrang wohl auch auf die "trockene" Fixierung der Mauersalze verdichtet um, diese an einem neuerlichen Durchschlagen an die Oberfläche, bei der Applikation von Lehmputz zu hindern.

Hier sehe ich die beschriebenen Risiken nicht



Ermittlung der Ursache des Schwammbefalls-Webinar Auszug


Zu den Webinaren