Klappe die 137te: Fussbodenaufbau EG Nutzung als Heizungsraum


23.02.2021 Bonifat 5 153

Hallo zusammen,

Erster Beitrag hier und vorab alle relevanten Beiträge im Forum sowie mehrere aus Fachlektüre studiert, stelle ich nun die Frage um meinen geplanten Fussbodenaufbau zur Disposition.

Fachwerkhaus auf Bruchsteinstreifenfundamenten;
der zu sanierende Fussboden bestand bisher aus mit Schiefersteinen durchsetztem Erdreich etwas Kies und darauf gemörtelten Betonfliesen. Die Schwellen lagen im Dreck und waren daher angegriffen. Diese wurden zum Teil zimmermannsmäßig erneuert.
Nun soll der bisherige Waschraum zum Heizungs/Haustechnik/Waschraum umfunktioniert werden.
Fussbodenaufbau bis Unterkante Schwelle darf nun etwa 30- 35cm betragen. Mehr lässt sich an Aushub nicht realisieren. Die Fundamente reichen bis etwa 10 cm in den Raum hinein. Da es kein Wohnraum werden soll, würde ich, so machbar, auf Dämmung verzichten. Da ein 1000L Speicher den neuen Aufbau belasten soll, dachte ich an Armierung im Beton. Erste Meinungen der Bauleute hier sprechen von:

15-20 cm 16/32 Rollkies (kanalisiertes Schichtenwasser auf dem Grundstück 15m oberhalb des Hauses),
Dichtung,
15cm armierter Beton (den würde ich lediglich streichen oder beschichten)

Wie lauten Eure spontanen Überlegungen hierzu?

Dank im Voraus, Gruß Marcus

So gehts



Hallo Marcus,

nimm keinen Rollkies. Rollkies kann man nicht verdichten, die runden Steine "rollen" beim Verdichten weg. Für einen kapillarbrechenden Unterbau verwendet man kantig-gebrochenen ("normalen") Schotter.
Achte aber darauf das im Schotter nur ein geringer Anteil an Feinkorn (Sand) ist, damit keine Feuchtigkeit aufsteigen kann. Verdichte den Schotter mit einer kleinen Rüttelplatte.
Verlege auf dem Schotter eine stabile Folie und lasse deren Ränder an den Wänden hoch stehen, damit der Beton nicht in den Schotter fließt und das Anmachwasser sofort weg sackt.
Stelle vor die Wände einen Rand-Dämmstreifen wie ihn die Estrichleger verwenden, damit der Beton schwimmend im Raum liegt und keinen Kontakt zu den Wänden hat (wg. Ausdehnung und als Tritt-/Körperschallschutz)
Und wenn du statt "normalem" Schotter Glasschaumschotter einbaust, hast du auch gleichzeitig eine hoch belastbare Dämmung unterm Beton.

Wenn du dir Transportbeton bringen lässt und je nachdem wie groß die Fläche ist, lasse dir unbedingt Verzögerer in den Beton rein mischen, damit du genug Zeit hast den Beton abzuziehen und zu glätten. Transportbeton ohne Verzögerer zieht sehr schnell an, dann ists rum mit reiben und glätten!!!

Falls du mangels Übung nicht oder nicht schnell genug "frei Hand" waagrecht und eben abziehen kannst, lege einfach ein paar 3/4"-Rohre (z. B. alte Wasserleitungen, sofern sie noch gerade sind) auf Haufen etwas trockeneren Betons und richte sie darauf aus. Dann kannst du über diese die Fläche mit einer Alulatte ganz kommod und exakt abziehen. ..... evtl. inkl. Gefälle zu einem Bodeneinlauf, sofern einer eingebaut werden soll.
Wenn du den Beton beim Reiben mit Zement puderst und diesen mit dem Reibebrett gleichmäßig in die Oberfläche ein reibst, ergibt das eine extrem harte und abriebfeste Oberfläche. Was gerade wenn der Betonboden nur gestrichen werden soll, den Anstrich haltbarer macht.

Um den Boden bis an die Unterkante der Schwelle betonieren zu können, kannst du direkt an der Vorderkante des Holzes entlang das Fundament ca. 8 -10 cm tief vorsichtig weg stemmen und dann evtl. die Fugen des Fundaments neu verfugen, damit es tragfähig bleibt.
Auf die waagrechte Fläche des weg gestemmten Streifens kannst du einen (zweiten) Randdämmstreifen flach drauflegen. So ist hier die "Auflage" der Betonplatte an dieser Stelle etwas elastisch und die Platte bricht nicht, falls der Schotterunterbau im Raum im Laufe der Zeit etwas nachgeben sollte.

Wenn du statt nur einer zwei Lagen Baustahlmatten (Q 188 reicht dicke) in den Beton rein legst (eine ca. 3 cm über UK Beton, die Zweite ca. 3 cm unter OK) kannste den 1000l-Tank auch schon gefüllt mit dem Gabelstapler rein fahren, ohne das es Risse gibt..... ;-)

wow


28.02.2021 Bonifat

Vielen Dank für die ausführliche Antwort. Toller Input!!!

Dann war es wohl mal wieder Fügung, dass vor dem Kiesberg meines Lieferanten noch zuviel Schnee lag.
Denn das mit dem Schaumglasschotter klingt vielversprechend.
Reicht ein 1,5m³ BigBag für 10m² Raumfläche?
Und genügt eine schwere Person zum verdichten oder kann man da mit einer kleinen Rüttelplatte drauf?

Aufbau demnach
- Geotextil
- Schaumglasschotter
- PE Folie
- armierter Beton

Dank auch für den Tipp mit dem horizontalen Dämmstreifen auf der Sockelkante.
War mir neu und klingt gut.


Gruß, Marcus

Rüttelplatte



Schaumglasschotter sollte man mit einer Rüttelplatte verdichten. Nicht nur dass der Schotter dadurch besser und gleichmäßiger verdichtet wird, die Oberfläche wird dabei auch ebener als wenn man mit den Füßen stampft.
Ist das Schotterpaket dicker als 25 - 30 cm sollte man lagenweise einfüllen und verdichten, da eine "kleine" Rüttelplatte (ca. 100kg) nicht sehr tief verdichtet, eine große, schwere würde allerdings das Schaumglas an der Oberfläche arg zerbröseln.
Also lieber mit einer kleinen in zwei Lagen drüber fahren.
Evtl. zu Anfangs den Untergund (Erdreich) schon verdichten!

Zu deiner Frage: "Reicht ein 1,5m³ BigBag für 10m² Raumfläche?"
Ob ein BigBag reicht ist eine einfache Volumenberechnung.
Eine gute Beschreibung/Anleitung ist z. B. hier: https://www.geocell-schaumglas.eu/de/produkte/schaumglasschotterglasschaum/schaumglasschotter_einbau/richtlinien/

Der Aushub


02.03.2021 Bonifat

bei etwa 40cm ab Unterkante Schwelle fängt nun an, an Feuchtigkeit zu gewinnen.
Darüber war der sehr schwere/steinige Boden jedoch staubtrocken.
Eigentlich wollte ich gar nicht tiefer ausheben, bin nun aber an einer Stelle nochmal etwas tiefer gegangen um zu schauen ob sich Wasser sammelt. Die Fundamente gehen seehr tief und enden laut Nachbar auf Fels.
Eine Außenwandfundament besteht aus einer intakten etwa 2-3m hohen Schiefer-/Gneis-/Was auch immer-Bruchsteinmauer. Wie tief die Innenwandfundamente sind, kann ich nicht sagen.
Ich denke, dass das Schichtenwasser nicht gänzlich vom Haus fern gehalten werden kann.
Ein Teil wird wie gesagt gut 10m oberhalb des Hauses im Brunnenstock aufgefangen und in einem alten Schieferkanal unterirdisch abgeleitet.
Am Raum Hangseitig gibt es einen Anbau auf Betonfundament, welcher demnächst abgerissen wird um diese Außenwand vernünftig mit Drainage zu versehen.
Aus verschiedenen Gründen geht das zu jetzigen Zeitpunkt leider noch nicht.

Diesbezgl stellt sich mir nun die Frage, wie tief ich im Raum gehen sollte um evtl vorhandene Feuchtigkeit möglichst tief zu halten. Bei 40cm Aufbauhöhe bestehend aus 25-28cm Schaumglasschotter und 12-15cm Betonplatte würde das Geotextil momentan evtl direkt anfeuchten. Mal schauen, wie es in ein paar Tagen ausschaut.
Ich möchte den Aufbau so schlicht als möglich halten, jedoch Fehler vermeiden.
komplexere Aufbauten mit Kiesfilter, Folie, Betonplatte, Folie, Dämmung, Estrich habe ich gesehen....


Dank schonmal für die bisher so tolle Hilfestellung.

Es ist auch eine Kostenfrage



In Anbetracht der Tatsache dass der Raum ja nur eine untergeordnete Funktion haben wird (Heizraum/Waschküche) braucht man die Wärmedämmung unter der Bodenplatte nicht zu übertreiben.
Da Glasschaumschotter einiges mehr kostet als normaler Schotter wäre mein Vorschlag die Auskofferung zwar möglichst tief zu machen, dann aber zuerst mit normalem Schotter auffüllen, um die Kapillarität des Untergrundes möglichst weit unten zu unterbrechen und nur die letzten 20-25 cm mit Glasschaumschotter aufzufüllen.
Mit anderen Worten, wenns geht würde ich noch einen Spatenstich tiefer gehen um die Feuchtigkeit schon bei 50-60 cm unterhalb der Schwellen-UK abzufangen.

Wenn allerdings das Erdreich außerhalb des Raumes/Gebäudes sowieso bis knapp unter die Schwelle reicht und dort keine feuchtigkeitsreduzierende Maßnahmen möglich sind, macht es wenig Sinn das Fundament nur von innen "trocken" zu halten.

Um die Fußbodendämmung (sprich, die Dicke einer Schaumglaspackung) im Verhältnis zur Außenwanddämmung abzuschätzen können, können Sie selbst mal unter www.ubakus.de verschiedene Varianten durchspielen.