Deelentor bauen


19.09.2021 Bernhard 8 399

Liebe Leute und Mitstreiter,

meine Bruchsteinwände sind nun dank eurer Hilfe gut verfugt. Da nun der Herbst naht, will ich meine Aktivitäten mehr ins Innere des Hauses verlegen. Nun ist das Deelentor dran.

Zu den Eckdaten:
- 4 Ständerhaus von 1848
- Deelentor mit einer Breite von 3 Metern und einer Höhe von 3,30 Meter
- Deelentor ist aus Eichenholz, Bohle neben Bohle

Leider ist das Deelentor sehr zerschlissen. Ich will es erneuern und wieder ein Tor aus Eichenholz anfertigen. Dabei will ich sozusagen das alte Tor nachbauen und ggf. alles das, was noch brauchbar ist, wieder verwenden.

Bei den Türbänden bin ich mir aber nicht sicher, ob ich das machen sollte. Die sind zwar sicher schon 300 Jahre alt und stammen wohl von einem älteren Gebäude, aber: Sie sind seeeeehr kurz.
Das Tor hat eine Breite von 130 cm und 170 cm. Die Bänder sind ca. 35 cm. Das ist wirklich kurz und ich überlege, ob ich die wirklich wieder verwenden sollte.
Hat da jemand Erfahrungen?

Grüße aus dem Lipperland
Bernhard

Torbänder



Hallo Bernhard,

ich habe auch schon einige große Scheunen- und Hoftore gebaut. Deshalb weiß ich um welche Gewichte und Winddruck es dabei geht. Deine Frage nach den kurzen Bänder ist berechtigt. Aus dem Bauch heraus würde ich sagen, die 35 cm sind zu kurz. Andererseits hat dein Tor mit diesen Bänder viele Jahre funktioniert und wenn du es "nur" nachbaust ändert sich gewichtsmäßig nichts oder nicht viel. So gesehen könnte man annehmen, es wird auch weiterhin funktionieren.
Aber, mit den alten, einfachen Bänder kann man ein Tor nicht einstellen/nach justieren. Falls du deswegen schon Probleme hattest, wäre eine weitere Überlegung, ob es nicht sinnvoll ist einstellbare Bänder anzubringen. Und, bei der Höhe und je nachdem wie dicht das Tor sein soll, sind evtl. auch 3 Bänder pro Flügel sinnvoll, damit sich die Flügel nicht wölben.

Gruß,
KH

Die Bänder...



...sitzen ja i.d.R. auf den Querriegeln. Diese leiten die Kraft weiter. Insofern sind, richtige Konstruktion der Flügel vorausgesetzt, längere Bänder nicht zwingend ein größerer Stabilitätsgewinn.

Dessenungeachtet, meistens sind die Bänder tatsächlich länger.

Magst Du vielleicht 'mal ein Bild einstellen?

Grüße

Thomas

Re: Die Bänder....



"......Insofern sind, richtige Konstruktion der Flügel vorausgesetzt, längere Bänder nicht zwingend ein größerer Stabilitätsgewinn......"
Das ist grundsätzlich/in der Theorie richtig.
Nur, letztendlich sind die Querriegel auch nur mit 2 - 3 Schrauben mit den kurzen Bänder verbunden. Genau diese Verbindung ist der Schwachpunkt. Der Anpressdruck der Schrauben lässt mit der Zeit nach, wodurch die Hebelwirkung des Gewichts der Flügel voll auf die Schrauben, bzw. die Schraubenlöcher im Holz geht. Es ist ein Frage der Zeit bis die Schraubenlöcher etwas "ausgeleiert" (evtl. auch von Anfang an etwas zu groß gebohrt) sind und sich der Flügel senkt. Je länger die Bänder sind umso länger ist der "Hebel", umso weniger senkt sich der Flügel.

Eine der Schrauben...



war ebendeswegen auch allermeistens eine starke Schlossschraube, gegen das Band mit einer Mutter fixiert oder mit diesem vernietet. Da bewegt sich, erfolgt die Montage passgenau, nix mehr.

So war's ja offenbar auch beim Fragesteller, sonst wären die Bretters schon dem Vorbesitzer vor die Füsse gefallen.

Eine interessante Option ist für solche großen Torflügel immer auch die Einrichtung eines Bodenlagers. Dann lastet die Masse direkt nach unten, und die Bänder nehmen nur das Kippmoment auf. Vielleicht war das auch 'mal so? Vor dem Bau eines neuen Tores würde ich nach Spuren eines ehemaligen Bodenlagers suchen.

Grüße

Thomas

Deelentor erneuern


21.09.2021 Bernhard

Erst mal danke für eure Ratschäge. Die Beschläge sind alle unterschiedlich und zeugen davon, dass die Menschen früher arm waren. Da hat man das genommen, was da war.

Hier ein Foto eines Beschlages. Erstaunlicherweise ist der nicht am Querbalken angebracht, sondern darüber auf den Holzbrettern. Eine schon sehr eigenwillige Konstruktion, oder.
Ich hätte die Beschläge gerne weiter verwendet, auch deshalb weil sie sicher über 200 Jahre alt sind. Aber ich habe da ein schlechtes Gefühl. Das Tor soll dann ja wieder 200 Jahre halten und mit den Beschlägen bin ich da skeptisch.
Ich denke auch, dass da der ein oder andere in den letzten 200 Jahren an dem Tor herumbebastelt hat.

Grüße aus dem Lipperland

Na,



so jedenfalls solltest Du das nicht nachbauen. Da hast Du schon die richtige Vermutung.

Wenn Du im Umfeld spazieren gehst, finden sich da ähnliche Tore? Wenn ja, wären da sicher auch gute Vorbilder dabei.

Anständige Bänder gibt es z.B. bei Hummel Kunstbeschläge.

Grüße

Thomas

Deelentor


27.09.2021 Bernhard

Hallo Leute,
ich habe mir nun einige Deelentore hier in der Gegend angesehen. Viele hatten genauso kurze Türbänder wie das von mir. Alle waren anders aufgebaut, da war keine Linie drin. Einige hatten die Bänder innen, einige außen.

Ich habe mal ein Foto vom Deelentor gemacht, damit man sich eine Vorstellung manchen kann. Wahrscheinlich werde ich versuchen die alten Aufhängungen der Türbänder die in den Torbalken geschlagen sind, wieder zu verwenden. Die kurzen Torbänder werde ich gegen längere austauschen. Allerdings werde ich wohl altes historisches Material verwenden, die neu angebotenen Torbänder die den alten nachempfunden sind, sind mir echt zu teuer.
Unklar ist mir noch, ob ich die Türbänder außen oder innen anbringen werde. Außen ging leichter, dann wäre aber immer ein kleiner Spalt zwischen Torbogen und Tor. Weil ich auf die Schnittkanten der Einzelbretter immer eine Leiste nageln will (so ist das bei dem Tor jetzt auch), wäre das doof, weil da an einigen Stellen dann das Torband sitzt. Da sähe nicht gut aus.
Innen die Torbänder anzubringen, sieht besser aus, ist aber doch wesentlich aufwändiger, weil ich da mit den Abständen genau aufpassen müsste.

Welche Lasur/welches Öl würde ich dann nehmen um das Eichenholz zu streichen. Es sollte "natur" bleiben. Hat da jemand einen Tipp?
Grüße Bernhard

Wenn Falz und Angeln...



...für eine innere Anbringung der Bänder eingerichtet sind, dann sollten auch die neuen Bänder wieder innen sein. Ein Spalt zwischen Tür und Gewände sähe aus wie "gewollt und nicht gekonnt"...

Ggf. muss man mit dem Hobel etwas nachputzen, wenn das Tor noch irgendwo klemmt.

Eine gute Anstrichfarbe sollte auf Leinölbasis sein, also entweder eine Leinöllasur (z.B. von "Natural")oder eine Standölfarbe (z.B. von "Kreidezeit"). Letztere wäre aber deckend.

Grüße

Thomas



Bunter Nagekäfer - Holzschädling Bestimmung-Webinar Auszug


Zu den Webinaren