Reihenfolge Fachwerksanierung: Aussenfassade oder Innendaemmung?


13.10.2021 Mountblade 2 108

Guten Abend,
wir haben bei unserem denkmalgeschützten Fachwerkhaus viele Baustellen und wissen nicht mit welchen Maßnahmen wir am besten anfangen.

Wir haben überall eine Dämmung aus den 90ern, so richtig schön mit Mineralwolle und Styropor ;-(. Wir sind auch schon dabei diese zu entfernen, und möchten dann mit Lehmputz und Holzweichfaserplatten dämmen. Das müssen wir nicht nur alleine wegen den alten Materialen tun, sondern wir müssen auch überall direkt an die Wände und die Zwischenräume, weil sich in der Dämmung Vögel zu schaffen machen, und heute ist meinem Mann eine Maus fast über die Füße gelaufen. Es ist also Zeit zum Handeln. Zudem überlegen wir ob wir, wenn es nicht zu teuer ist, zumindest teilweise Wandheizungen verlegen. Wir haben vom Vorbesitzer einen Froehling Scheitholzofen mit 3.000 L Pufferspeicher übernommen, daran würden wir dann die Leitungen anschließen.

Das Problem ist nur, dass wir im Frühsommer auch die Aussenfassade sanieren müssen, es gibt unzählige Schlupflöcher, der Putz muss erneuert werden, das Holz geölt werden, etc.

Was müssen wir denn zuerst machen? Aussenfassade oder Innendaemmung? Laufen wir Gefahr, wenn wir außen den alten Putz abtragen, bzw, abstemmen, dass dann der Lehmputz innen bröckelt, oder geschieht das nicht wegen dem Armierungsgewebe?

Und ist es überhaupt sinnvoll, den Lehmputz jetzt in dieser Jahreszeit zu machen? Wenn wir bei unseren Heizkörpern blieben, werden diese ja abmontiert, d.h. der Raum kühlt aus. Ein Bautrockner wäre vorhanden. Und auch bei einer Wandheizung müsste die erste Schicht bereits durchgetrocknet sein.

Fragen über Fragen…kann uns jemand helfen wie wir besten vorgehen? Die Elektrik muss zudem auch noch gemacht werden :-(.

Lieben Dank euch!

Keine Panik


14.10.2021 1zelner

Moin, moin

wir haben uns zuerst einmal ein altes Gerüst gekauft und aufgestellt. So ein altes eigenes Gerüst kann auch zwei oder drei Jahre stehen und frisst kein Brot.

Dann geht man langsam bei schönem Wetter nach außen und untersucht das Holz, die Fachungen ,den Putz etc.; macht Probeanstriche, repariert das Holz etc.
Ihr seht dann auch, wo unbedingt nachgeputzt werden muss und welche Fachungen stabil sind. Wenn man innen Putz entfernt, ist es ratsam, von außen quer über die Fachung ein Brett zu schrauben (im Zweifel) damit die Fachung nicht zerstört wird und nach außen fällt.

So könnt ihr den eigenen Fahrplan erstellen für die Außenarbeiten, die immer gutes Wetter und viel Zeit brauchen.

In der Zwischenzeit kann dann an den Wänden die von außen gesund bzw. abgestützt und stabil sind, innen gearbeitet werden. Wenn es euch zu kalt wird in dem Raum, müßt ihr zuheizen oder erst eine halbe Wand machen mit bestehendem Heizkörper und dann die andere Seite.

Das alles kann man nicht so von Ferne planen, aber die Idee mit dem Gerüst ist wirklich brauchbar, da man schnell mal auch von außen Hand anlegen kann.

Gruß Karl

Reihenfolge Fachwerksanierung



Sofern ihr zur Zeit in dem Haus wohnt (also noch nicht komplett Baustelle ist) und es sich um Sichtfachwerk handelt, sollte man zuerst das Fachwerk selbst und die Ausfachungen von außen prüfen. Stellt sich dabei heraus, dass diverse Balken repariert oder ausgetauscht werden müssen, müssen die Gefache sowieso mehr oder weniger ausgeräumt werden, um an den Balken arbeiten zu können (dabei kann es dann schon zu den ersten offenen Löcher kommen). Lose Ausfachungen kann man parallel zu den Holzarbeiten zunächst auch von außen stabilisieren, indem man die Anschlußfugen zu den Balken öffnet/aufweitet und von innen heraus neu mit (Lehm-)Mörtel verpresst. Lose Stakung kann man mit Edelstahlschrauben schräg in die Balken geschraubt, wieder fixieren.
So kann man in den meisten Fällen die Räume noch nutzen/bewohnen, bevor es innen los geht.
Ist es dann soweit und die Baustelle wird nach innen erweitert, geht das gleiche Spiel von der Innenseite los, bzw. weiter.
Erst wenn das Holz und die Ausfachungen in Ordnung sind, sollte man mit der Verputzerei, Dämmung, Wandheizung anfangen.
Es ist viel aufwändiger Fachwerk-Außenwände zu sanieren, wenn innen eine Dämmung montiert ist und die Reparaturen nur von außen gemacht werden können!

Eine Wandflächenheizung macht auf jeden Fall Sinn. Auch wenn die Installation momentan mehr kostet, als Heizkörper. Dafür ist nachher die Vorlauftemperatur viel niedriger, die im Pufferspeicher bevorratete Wärme kann viel besser genutzt wurden.

Es macht wenig Sinn hier einen Vortrag, bzw. Grundlehrgang zum Thema Fachwerksanierung und Innendämmung zu halten. Ich empfehle dir/euch zuerst z. B. bei Claytec die Arbeitsanleitung zu den Themen herunter zu laden und zu lesen. Und die Suchfunktion dieses Forums zu benutzen. Da werden viele deiner Fragen beantwortet. Danach bekommst du gerne konkrete (Detail-)Fragen beantwortet.



Schutz vor Nässe - Holzschutz-Webinar Auszug


Zu den Webinaren