Ehem. Bauernhof energieautark?


09.04.2022 Herbert_Working 7 579

Hallo zuasmmen,

schon seit Jahren stört mich unsere in die Jahre gekommene Haustechnik (Ölheizung, Heizkörper)
Jetzt natürlich umso mehr...
Das Wohnhaus ist um 1800 aus Feldsteinen / Fachwerk gebaut. Teilsaniert. Innendämmung Schilf und Lehm. Perlite auf der obersten Geschossdecke. Insgesamt noch zugig durch undichte Fenster und Haustüren.

Meine Idee wäre nun, die ca. 175 qm Dachfläche eines Nebengebäude mit roten PV-Panelen zu belegen. Was ungefähr 30 kWp und rund 27.000 kWh Strom im Jahr bringen würde. Da eine hohe Vorlauftemperatur benötigt wird wäre eine Hochleistungs-Erdwärmepumpe notwendig die entsprechend viel Strom verbraucht.

Jetzt wirds interessant ;-) :
Um die Sonnenarmen Tage abzufangen hätte ich auf sowohl Batterie- als auch Erdpufferspeicher gesetzt die sich zu Sonnenzeiten füllen wenn mit dem Strom gerade nicht geheizt wird oder ein Elektroauto geladen wird.
Gibt es Erdpuffer die den Sommer über so aufgeheizt werden, dass sie im Winter über Monate den Heizkreislauf bedienen bei 70 ° Vorlauf? Wurde sowas schonmal gemacht? Wäre ja bis auf die hohen Investitionskosten eigentlich eine runde Sache.

Hält das alles jemand für realistisch oder sind das Hirngespinste?

Solarthermie kommt leider aufgrund Denkmalschutz nicht in Frage... Auch hätte ich bedenken das Haus zum Niedrigenergiehaus umzubauen und jede Ritze dich zu machen aufgrund der alten Substanz.
Die ganze Holzthematik (BHK, Pellet- Hackschnitzel) als Alternative sehe ich auch kritisch da in Krisen wie jetzt gerade auch kaum an Holz zu kommen ist ohne dass man mit dem Förster verschwägert ist. Und die Pellets bekanntermaßen die gleichen Reisewege wie unser Heizöl und Erdgas zurücklegen...

Wäre für jede Eingebung dankbar.

Hirngespinste


09.04.2022 Marco Schmidt

Das ist die größte Träumerei, die ich jemals gehört habe.....Wärme n halbes Jahr bunkern?luftige Hütte damit heizen? ..... keine Chance!!!

@ Marco Schmidt


09.04.2022 Herbert_Working

Hallo Herr Schmidt, danke erstmal für die Antwort. Was genau halten sie für unrealistisch? Es ist ja klar, dass der Puffer nicht ein halbes Jahr von alleine auf Temperatur bleibt. Es ginge ja um die Kombination der genannten Systeme. Freue mich auf konstruktive Rückmeldung! Viele Grüße

Re: Ehem. Bauernhof energieautark?



Genau die Idee hat ich vor über 30 Jahren auch schon, als wir unseren Hof kauften.
Und war der Zweite im ganzen Dorf der eine Solaranlage auf die 350 Jahre alte Hütte setzte... ;-)

Als erstes würde ich dafür sorgen dass die benötigte Heiztemperatur, sprich VL-Temp., so weit es geht runter gedrückt werden kann. D. h., vor allem, weg von Heizkörper, hin zu Flächenheizung. Das nächste, bzw. im gleichen Zug, würde ich die Dämmung des Hauses optimieren. Und zwar nicht nur im Sinne von "so weit wirtschaftlich sinnvoll", sondern im Sinne von "energetisch optimal". Was für gleichbedeutend ist mit bauphysikalisch optimal. Am Ende kommt dabei heraus, dass die danach eingesetzte Wärmepumpe schon keine Hochleistungspumpe mehr sein muss und wahrscheinlich sogar eine "gewöhnliche" WP nur noch die "halbe" Leistung benötigt (um Letzteres mal ganz vereinfacht zu sagen).
Die Wärmepumpe wäre bei mir auch ausschließlich eine Erd- bzw. Solewärmepumpe. Denn nur die bringt dann wenn die Wärme gebraucht wird, im Winter, den besten Wirkungsgrad. Schafft man sich dann noch eine PV-Anlage mit Speicherbatterie an, geht der Autarkiegrad noch weiter hoch. Ist aber immer noch weit von 100% entfernt.....

Zur saisonübergreifenden Speicherung von überschüssiger Wärme im Sommer gab es schon in den Achtziger Untersuchungen und es wurden auch schon als Testobjekte sog. Solarhäuser gebaut. Einige hatte ich besichtigt. In einem Haus war ein 12m³-Wassertank aus Beton, mit einer 50 cm dicken Dämmung eingebaut, dessen Inhalt von einer Solaranlage aufgeheizt wurde. Der Grund warum der Tank IM Haus betoniert wurde, war, dass es trotz der dicken Dämmung noch Wärmeverluste gab, die man wenigstens im Haus noch nutzen wollte, wenn auch unkontrolliert. Ich weiß nicht mehr wie lange die gespeicherte Wärmeenergie trotz der Verluste im Winter gereicht hätte das Haus zu heizen. Was ich damit sagen will, ist, die Quintessenz aus dem Langzeittest war, dass ein so großer Speicher ausserhalb oder unter dem Haus eben wegen dieser Verluste erst recht keinen Sinn ergeben hätte. (das zu deiner Idee vom Erdpuffer)
Heute geht man eher dazu über PV-Anlagen größer zu bauen und mit dem überschüssigen Strom einen kleinen Pufferspeicher "just in time" elektrisch nachzuheizen, wenn es die WP nicht mehr wirtschaftlich rentabel schafft, sprich, der COP zu niedrig ist.

Grundsätzlich bin ich persönlich aber nach wie vor noch nicht davon weg, dass auch die Wasserstoff-/Brennstoffzellen-Technologie eine Zukunft hat. Wenn dann noch die Klein-Elektrolyseure für den "Hausgebrauch" marktreif, sprich für Otto N. bezahlbar sind (ein erstes System ist schon seit zwei Jahren auf dem Markt), wird sich das Ganze nochmal drehen. Dann kann man tatsächlich auch zuhause im Sommer speichern was man im Winter zum heizen braucht: Wasserstoff:
siehe https://www.homepowersolutions.de/produkt/

Ich weiß, dieses Thema ist seeehr umstritten und diskutabel.
So, lets go.... ;-)

Gruß,
KH


10.04.2022 Mario

Interessant wäre

- beheizte Wohnfläche

- Jahresverbrauch Heizöl

- Kesselleistung

- wieviele Personen im Haushalt (Warmwasserverbrauch) ?

Für saisonale Speicherung von Wärmeenergie ist ein Latentwärmespeicher das richtige Stichwort.

Das Ganze...



...wirklich autark im Sinnes des Begriffes zu machen, wäre eine anspruchsvolle Aufgabe auch dann, wenn das Haus entsprechend saniert würde. Und wohl weniger rentabel, als eben ein mehr ein Hobby. Allein der große Speicher ist an sich eine Herausforderung. Desgleichen das optimale Zusammenspiel der Komponenten. Wer da nur auf Firmen setzt und keine eigene Expertise entwickelt, hat es noch ein wenig schwerer.

Wenn's auch noch durch jede Ritze zieht, geht das nicht, fürchte ich.

Grüße

Thomas

Hochinteressant



Das Thema ist hochinteressant und spannend. Ich glaueb auch, das es für Neubauten in den nächsten 10 Jahren dazu Syteme geben wird, welche das autarke Gebäude auch für den "kleinen" Häuslebauer umsetzbar machen.
Aus eigener Erfahrung sehe ich dies für das Bauen im Bestand als sicheres System, noch nicht in dieser Zeit. Erst recht nicht mit einer absehbaren Wirtschaftlichkeit. Aber ich lasse mich gerne eines besseren belehren und halte gerade dazu Augen und Ohren stark gespitzt.
Im Bestand, und erst recht im Bereich Fachwerk, gibt es in der Rechnung zu viele Faktoren und Unbekannte um es kurzfristig in den Griff zu bekommen.
Der Status Quo aus meiner Sicht ...
- Erdwärme (egal in welcher Form) ist machbar aber teuer, was die Wirtschaftlichkeit erst bei sinkenden Bohr- und Anlagenpreisen in eine angenehme Region bringt. Bei langfristiger Auslegung ist es auch auch heute sinnvoll.
- PV ist gut nutzbar und im Rahmen auch preiswerter umsetzbar. Die Entwicklung ist aus meiner Sicht sowohl preislich als auch technisch noch nicht am Ende.
- Speicher - sowohl als Akku als auch in Form anderer Energieträger ... ist die große Herausforderung der nächsten 10 Jahre. Wenn sich hier erst technisch und dann preislich etwas tut, wird es die Lösung der dezentralen Energieversorgung der Menscheit sein.

Kleiner mache ich es nicht - da freue ich mich auf die Zukunft - M.Mattonet


11.04.2022 Mario

Wie gesagt für "praktische" Überlegungen und Vergleiche sollte man die "harten" Fakten zum energetischen Bedarf parat haben.

Im übrigen auch wie bei jeder, öffentlich hoch geförderten Energieberatung.

Es geht in unseren Breiten eigentlich meistens ja "nur" darum durchgängig in der kälteren Jahreszeit Wasser von 40 Grad Celsius bereit zu stellen um die Räume angenehm und zweckmäßig zu temperieren. Sprich physikalisch die Wärmeverluste der Gebäudehülle und Lüftung auszugleichen.

Dafür muss man keine Atomkerne spalten aber auch keine Luftschlösser erdenken.

Lösungsmöglichkeiten sind mannigfaltig und stehen schon Jahrzehnte bereit. Die Zentralheizung in heutiger Gestalt existiert schon mehr als 100 Jahre.

Die technische Evolution geht halt von rohr- und leitungsgebunden, energiedichten fossilen Reserven weg zu alternativen, solaren Wandlungstechniken, mit wenig "Brennstoff" allerdings mit hohen Systemkosten.

Wenn man weiß was gebraucht wird, kann man sehen woran man bei den marktverfügbaren Möglichkeiten bei Kosten und Nutzen ist.

Beim "Erdspeicher" geht es nicht um Temperaturdifferenz sondern um Wärmeinhalt, was physikalisch durch Masse und Wärmekapazität beschrieben wird.