Stalldecke dämmem


17.05.2022 Tilman 12 321

Hallo,

ich bin ehrlich gesagt ein wenig planlos, wie ich am besten die Decke in unserem zukünftigen Heizungsraum dämmen soll. Der Raum ist ein ehemaliger Stall, oben drüber ist die Tenne. Aktuell liegen nur Bohlen auf Balken. Geplant ist bisher nur, die Decke abzuhängen oder zu verkleiden, Einschübe zwischen die Balken zu setzen und irgendeine Schüttung/Dämmung von oben einzubringen, damit der Heizungsraum nicht so viel Wärme verliert.

Das Problem ist, dass die Tenne zugig is und spätestens bei stärkerem Wind auch immer wieder mal etwas Schnee oder Regen eingetragen wird. Eine Dampfbremse unter den Bohlen dürfte nicht lange halten, da die Tenne oben auch befahren wird. Ideal wäre also eine Dämmung, der etwas Feuchtigkeit ab und zu nichts ausmacht und die einfach wieder ablüften kann. Wäre eventuell eine gebundene Schüttung (z.B. Blähton) eine Lösung?

Viele Grüße
Tilman

Holzfaserplatte


17.05.2022 Methusalem

Wie wärs mit einer Holzfaserplatte in die Gefache, restliche Balken sichtbar lassen? Wahrscheinlich wird der Schornsteinfeger fordern, dass der Raum eine Zuluftöffnung bekommt. Spätestens dann geht dir die Wärme sowieso verloren.

Zuluft


17.05.2022 Tilman

An Holzfaser hatte ich noch gar nicht gedacht. Das wäre eine Möglichkeit.

Auf diese Balken lege ich keinen besonderen Wert. Im Wohnhaus haben wir überall schöne alte handgebeilte Balken sichtbar aber diese hier sind einfache gesägte Balken. Da es in den Ställen im Winter durchaus auch mal unter 0 Grad werden kann, würde ich zumindest eine gewisse thermische Verbesserung erreichen wollen. So toll ist so ein Pufferspeicher auch nicht gedämmt.

Für ein Abhängen der Decke spricht auch, dass wir dort 3 Meter Raumhöhe haben, die energetisch nicht unbedingt vorteilhaft sind. Da meine Frau den Raum auch als Waschraum nutzen will, kriegt der Pelletkessel seine Frischluft durch ein Ansaugrohr und nicht direkt aus dem Raum.

Viele Grüße
Tilman

Re: Zuluft



"Da meine Frau den Raum auch als Waschraum nutzen will...."
....ist u. U. mit erhöhter Feuchtigkeit in dem Raum zu rechnen.......
Von daher würde ich eher dazu tendieren eine Dampfbremse unter die Dämmung zu verlegen.
Konkret: Unter die Bohlen (auf den Balken) eine diffusionsoffene, aber winddichte Unterspannbahn tackern, darunter z. B. Holzflex- oder Hanffaser-Matten (Hanffasern sind wesentlich verrottungsfester als Holzfasern) zwischen die Balken klemmen, diese nach unten hin mit der Dampfbremse versehen und die Decke z. B. mit Fermacell-Platten beplanken.
So kann von der zugigen Tenne keine Kaltluft in die Dämmung geweht werden und von unten nur reduziert Feuchtigkeit eindringen, die dann aber nach oben hin weg trocknen kann.

"Für ein Abhängen der Decke spricht auch, dass wir dort 3 Meter Raumhöhe haben, die energetisch nicht unbedingt vorteilhaft sind."
Wenn du dir darüber Gedanken machst, solltest du auch über eine Dämmung der Wände und ein neues Fenster nachdenken.

Gruß,
KH

Dampfbremse


19.05.2022 Tilman

Hallo Karl-Heinz,

eine Dampfbremse hatte ich aus dem Grund unter der Dämmung schon vorgesehen. Mein Problem war eher die Oberseite, weil die mechanische Belastung durch das Befahren jede Folie vermutlich in kurzer Zeit ruinieren würde.

Das Fenster wird eh erneuert, da hoffnungslos verrottet. Im Wohnhaus wurden alle Holzfenster restauriert und zu Kastenfenstern umgebaut. Für die Tenne muss ich alle neu anfertigen, denn da haben die Bauern damals wohl genommen, was sie gefunden haben. Sprich: von 11 Fenstern in der Tenne sind lediglich 2 gleich. Alle anderen haben zwar das gleiche Laibungsmaß, sind ansonsten aber bunt zusammengewürfelt.

Viele Grüße
Tilman

Nach oben offen lassen


19.05.2022 Matthias

Hallo, ich würde auch empfehlen den Zwischenraum der Balkenlage mit Hanf oder Holzweichfaserdämmung auszufüllen. Vielleicht hier nicht die gesamte Höhe ausfüllen, sondern einige cm Luft nach oben zu den Bohlen belassen. So kann Feuchtigkeit besser abtrocknen. Die Bohlen würde ich nach oben offen lassen. So kann eventuell Feuchtigkeit ungehindert wieder heraus und ist nicht eingesperrt.
Vielleicht vor den Baumaßnahmen mit dem Schornsteinfeger sprechen. Bei unsere (Hackschnitzel) Heizung hatte er besondere Anforderungen zum Brandschutz.
Gruß matze

Ohne Winddichtung keine Dämmung



Wenn du die Dämmung nach oben hin völlig offen lässt, wird die Kaltluft in sie rein geweht, da die Bohlen der mehr oder weniger breiten Fugen wegen nicht winddicht sind. Somit wird der Dämmeffekt zumindest teilweise obsolet.
Gegenfrage: Wieso soll z. B. eine Unterspannbahn unter den Bohlen beim Drüberfahren beschädigt werden?
Welche mechanische Belastung entsteht denn beim Drüberfahren?
Wenn du z. B. eine difussionsoffene Unterspannbahn, wie sie die Dachdecker verbauen, von unten mittig im Deckenfeld an jeder zweiten, dritten Bohlen einmal antackerst und nicht zu straff gespannt seitlich im Bohlen/Balken-Winkel nochmal an den Balken fixierst und die Folienränder an den Balken, ein paar cm nach unten gezogen anklebst, hat sie genug Spiel um nicht zu reißen, wenn sich die Bohlen beim Drüberfahren durchbiegen. Sie muss ja nur so lange "oben bleiben", also an den Bohlen anliegen bis die Dämmung eingebaut ist, sprich, z. B. die Holzflex- od. Hanfmatten zwischen den Balken klemmen. Dann kann sie ja auf diesen liegen.
Alternativ könntest du auch z. B. 2cm-Holzweichfaserplatten press, d. h., ohne offene Fugen/Spalten zwischen die Balken einpassen. Die etwas festeren HWF-Platten (nicht Holzflex!) sind auch winddicht, kosten halt einiges mehr als eine USB.
Egal wie, Hauptsache der Wind kann nicht in die Dämmung rein blasen. Die Winddichtung muss aber auf jeden Fall so diffusionsoffen sein, dass mehr Feuchtigkeit raus verdunsten kann als durch die Dampfbremse von unten eindringt. D. h., den sd-Wert der beiden Abdichtungen vergleichen.

Gruß,
KH

PS: "Vielleicht vor den Baumaßnahmen mit dem Schornsteinfeger sprechen. Bei unsere (Hackschnitzel) Heizung hatte er besondere Anforderungen zum Brandschutz." Guter Hinweis!

Unterspannbahn


21.05.2022 Tilman

An die Möglichkeit, die Unterspannbahn von unten nach oben einzusetzen, habe ich noch gar nicht gedacht. Das wäre eine Möglichkeit. Fakt ist, dass die Bohlen auch schon mal ein paar Zentimeter wandern und eine Folie zwischen Bohlen und Balken relativ schnell durchgescheuert wäre.

Zumindest körperlich spürbar gibt es keinen Wind in dem Sinne in der Tenne. Natürlich herrscht ein gewisser Durchzug aber dass es wirklich Kälte in die Dämmung bläst, denke ich eher nicht. Für mich hatte sich einfach die Frage gestellt: Lieber feuchtigkeitsdicht oder feuchtigkeitsunempfindlich und zweiteres fand ich langfristig sinnvoller, denn bei ersterem können Schäden die Eigenschaft aufheben.

Mit dem Schornsteinfeger verstehe ich mich sehr gut und mit ihm ist schon lange alles durchgesprochen. Im Gegensatz zum Pelletbunker werden an den Heizungsraum keine brandschutztechnischen Anforderungen gestellt, sofern die Kesselleistung unter 50kW liegt. Selbst den Schornstein kann ich innen in der Tenne hochziehen, wobei ich da immer noch hin und hergerissen bin. Ich hab hier doch einen gehörigen Respekt vor potentiellen Brandquellen.

Viele Grüße
Tilman

EDIT: Was mir eben dazu einfällt: Wenn ich die Unterspannbahn von unten her einsetze, sind die Balken dreiseitig umwickelt und können die Feuchtigkeit, die sie von oben abkriegen, nicht mehr seitlich abgeben. Ob das dauerhaft gut ist?

Re: Unterspannbahn



EDIT: Was mir eben dazu einfällt: Wenn ich die Unterspannbahn von unten her einsetze, sind die Balken dreiseitig umwickelt und können die Feuchtigkeit, die sie von oben abkriegen, nicht mehr seitlich abgeben. Ob das dauerhaft gut ist?
Denkfehler.
Zum Einen, die USB muss diffusionsoffen sein, damit die Feuchte aus der Dämmung nach oben raus kann. Somit kann sie auch aus den evtl. feucht gewordenen Balken raus.
Zum Anderen, wenn du die USB in einzelne Streifen schneidest, die ca. 15 -20 cm breiter als die Gefache sind und sie dann nur jeweils seitlich an den Balken 7,5 - 10 cm runter verlegst und verklebst, wären die Balken nicht komplett "eingepackt".

"Zumindest körperlich spürbar gibt es keinen Wind in dem Sinne in der Tenne. Natürlich herrscht ein gewisser Durchzug aber dass es wirklich Kälte in die Dämmung bläst, denke ich eher nicht"
und
"Das Problem ist, dass die Tenne zugig is und spätestens bei stärkerem Wind auch immer wieder mal etwas Schnee oder Regen eingetragen wird."
Steter Tropfen höhlt den Stein. Heißt, es ist nur eine Frage der Zeit/Dauer der zugigen Witterung bis die Kälte durch ist.
Und,
die USB hält auch eingedrungenes Wasser/getauten Schnee aus der Dämmung. Du könntest dazu vorm Einbau der USB mittig in den Gefachen unter die Bohlen eine Dachlatte schrauben, unter die sich die USB drunter hängt. So bildet sie eine "Wanne", in der sich das Wasser sammeln kann und nicht seitlich in die Balken zieht.
Genauso kannst du verfahren, wenn du statt der USB HWF-Platten als Winddichtung einbaust. Die biegen sich dann auch um die Dachlatte und bilden die "Wanne".

Gruß,
KH

Unterspannbahn


21.05.2022 Tilman

>> Zum Einen, die USB muss diffusionsoffen sein, damit die Feuchte aus der Dämmung nach oben raus kann. Somit kann sie auch aus den evtl. feucht gewordenen Balken raus. Zum Anderen, wenn du die USB in einzelne Streifen schneidest, die ca. 15 -20 cm breiter als die Gefache sind und sie dann nur jeweils seitlich an den Balken 7,5 - 10 cm runter verlegst und verklebst, wären die Balken nicht komplett "eingepackt".

Sorry, dann hatte ich Dich missverstanden. In Bahnen seitlich angeklebt ist natürlich viel von den Balken frei.

>> Steter Tropfen höhlt den Stein. Heißt, es ist nur eine Frage der Zeit/Dauer der zugigen Witterung bis die Kälte durch ist. Und, die USB hält auch eingedrungenes Wasser/getauten Schnee aus der Dämmung.

Das stimmt schon. Auf der anderen Seite geben Hersteller wie Gutex für ihre HWF-Unterdeckplatten an, dass sie angeblich regen- und hageldicht sind und sogar ein über Monate ungedecktes Dach erlauben. Wenn diese Eigenschaften nicht an den Haaren herbeigezogen sind, stellt sich die Frage, ob ihnen dann ab und zu ein bisschen Feuchtigkeit überhaupt etwas ausmacht. Ich schätze, dass es im Jahr durchschnittlich 4-5 Mal vorkommt, dass etwas Regen oder Schnee in die Tenne geweht wird.

Viele Grüße
Tilman

Unterspannbahn vs. Unterdeckplatten



".....geben Hersteller wie Gutex für ihre HWF-Unterdeckplatten an, dass sie angeblich regen- und hageldicht sind...."
Das ist richtig und ab und zu etwas Wasser macht denen nichts aus. Das ist was ich versucht habe zu erklären (leider auf zwei Antworten verteilt): Wenn du statt einer USB eine HWF-Unterdeckplatte als oberen Abschluss der Dämmung verwendest, hast du die Winddichtigkeit und die Wasserdichtigkeit in Einem.
Aber nur eine 2 - 6 cm dicke Unterdeckplatte ist als Dämmung zu wenig. Du musst auf jeden Fall eine zusätzliche Dämmung unter diese, ich nenne es mal "Abdichtungsebene" bauen.
Vor allem der Kosten wegen, aber auch weils einfacher zuzuschneiden und zu montieren ist, würde ich eine USB wie beschrieben unter die Bohlen "spannen" und eine dicke Hanf- od. Holzflex-Matte drunter klemmen.
Es ist viel einfacher als eine 15 - 20 cm dicke, ziemlich feste HWF-Platte mit etwas Übermass zuzuschneiden und diese dann zwischen die Balken zu klemmen.
So dicke HWF-Platten sind steif wie ein Brett, die kriegst zu nicht zusammen gedrückt um sie zwischen die Balken zu stecken. Andererseits, wenn du sie zu schmal/kurz schneidest, hast du offene Fugen zwischen Platte und Balken.
Dazu kommt, wie, bzw. mit was willst du 15 - 20 cm dicke HWF-Platten schneiden? Das geht nur mit einer großen Zimmerer-HKS, oder einer TKS, oder einer BS, jeweils mit ordentlicher Absaugung! Mit einem Dämmstoffmesser geht es gar nicht, mit einem Alligator (die Sägen mit zwei gegenläufigen Messer) ists reine Quälerei. Die weichen Hanf-/Holzflex-Matten kann man gut mit dem Alligator schneiden und mit 0,5 - 1 cm Übermaß auch noch so viel zusammendrücken dass sie zwischen die Balken schlüpfen, aber dann trotzdem oben bleiben, bis die Dampfbremse drunter gespannt ist.

Gruß,
KH

Unterspannbahn


23.05.2022 Tilman

Hallo Karl-Heinz,

>> So dicke HWF-Platten sind steif wie ein Brett, die kriegst zu nicht zusammen gedrückt um sie zwischen die Balken zu stecken. Andererseits, wenn du sie zu schmal/kurz schneidest, hast du offene Fugen zwischen Platte und Balken.

Das ist durchaus ein gutes Argument pro USB.

>> Dazu kommt, wie, bzw. mit was willst du 15 - 20 cm dicke HWF-Platten schneiden? Das geht nur mit einer großen Zimmerer-HKS, oder einer TKS, oder einer BS, jeweils mit ordentlicher Absaugung!

Die Maschinen wären hier zwar vorhanden aber das Argument mit den Fugen zieht immer noch. ;)

>> Die weichen Hanf-/Holzflex-Matten kann man gut mit dem Alligator schneiden und mit 0,5 - 1 cm Übermaß auch noch so viel zusammendrücken dass sie zwischen die Balken schlüpfen, aber dann trotzdem oben bleiben, bis die Dampfbremse drunter gespannt ist.

Hanf hatte ich hier im Haus bisher nur in Form von Stopfhanf und Hanffilz verarbeitet. Der Filz ließ sich gar nicht schön schneiden aber wenn Du schreibst, dass sich Hanfdämmmatten gut schneiden lassen, ist mir das fast noch sympathischer, als HWF.

Vielen Dank für Deine ganze Mühe. Mir reicht es leider nie, zu wissen, was ich am besten mache, sondern muss auch wissen, warum es so am besten ist. ;)

Viele Grüße
Tilman

Re: Hanfmatten schneiden



"....aber wenn Du schreibst, dass sich Hanfdämmmatten gut schneiden lassen..:"
Ich schneide Dämmmatten mit dem Alligator. Damit lassen sich auch Hanfmatten gut schneiden, mit einem Dämmstoffmesser nicht so gut wie Holzflex.

"Mir reicht es leider nie, zu wissen, was ich am besten mache, sondern muss auch wissen, warum es so am besten ist."
Geht mir genauso.
Wobei es oft im Nachhinein eine noch bessererere Lösung gegeben hätte.
Wie heißts so schön: Erfahrung bekommt man meistens erst dann wenn man sie schon gebraucht hätte. :-)

Gruß,
KH