Backsteinmauer verfugen und festigen


23.05.2022 Tilman 3 352

Und schon das nächste Problem im Heizungsraum: An einer der vier Wände ist vermutlich über Jahrzehnte der Kalkmörtel gerieselt, bis irgendwer mal auf die Idee kam, die Wand mit Zementmörtel neu zu verfugen. Nach dem Entfernen des Kalkanstrichs zeigt sich jetzt das ganze Ausmaß: Die Zementbrocken lassen sich größtenteils mit der Hand aus den Fugen ziehen, manche mit leichtem Nachdruck mit einem Werkzeug. In vielen Bereichen wurden die Fugen nur oberflächlich verschlossen, so dass dahinter Hohlräume verblieben.

Die Rückseite dieser Wand ist ein Silo, dick mit Zementputz verputzt und sämtliche Ecken und Kanten verrundet. Diese Schale ist in sich stabil und rissfrei und soll auch eigentlich bleiben, da ich das Silo mit Schrägböden zum Pelletbunker ausbauen will.

Das Problem ist die unverputzte Seite. Mit jedem Stück Zementmörtel mehr, das ich entferne, finde ich mehr Backsteine, die sich im Kalkmörtel schon bewegen lassen. Größtenteils sind es nur längs verbaute Backsteine, im unteren Bereich aber auch der eine oder andere quer verbaute.

1) Reicht ein erneutes Verfugen, um der Wand wieder genug Stabilität zu verleihen?

2) Welche Zusätze im Kalkmörtel wäre für eine bessere Stabilisierung gut? 3/6er Kies? Eventuell ein leichter Zementzuschlag? Wenn ja, wieviel Prozent?

3) Normalerweise würde ich mit Fugenkellen arbeiten, doch da die Wand eh eine Schlämmverfugung kriegen soll, so dass sich die Struktur nur noch weich abzeichnet, stellt sich mir die Frage, ob man die Fugen nicht auch mit einem sehr weich angemischten Mörtel bewerfen kann. Kann jemand mein Bauchgefühl, dadurch eine bessere Füllung der Fugen zu erlangen, bestätigen?

Viele Grüße
Tilman

Re: Backsteinmauer verfugen und festigen



Also, erst mal zur Beruhigung: Wenn die Wand überall so aussieht wie der Ausschnitt auf dem Foto, kann ich sagen, ich habe schon viel ausgewaschenere Wände gesehen, die trotzdem nicht umgefallen sind.
Zum Thema: Ich würde über die Fugen zuerst mal mit Druckluft drüber gehen, damit alle losen Mörtelbrocken möglichst schnell und für mich kommod raus fliegen. Dabei darauf achten ob , bzw. wo noch Brocken sind die zwar schon lose sind aber noch zwischen den Steinen fest klemmen. Die würde ich dann raus kratzen (gut geht das mit einer Bau-/Mauerklammer), alle Fugen nochmal per Druckluft entstauben, anfeuchten/vornässen und mit Mauermörtel neu verpressen. Steine die völlig lose im Verband stecken, würde ich raus holen, den Mörtel der umlaufenden Fugen komplett entfernen und die Steine neu einmauern.
Das Ganze kann zwar zum Stundengrab werden, ist aber kein Hexenwerk.
Ich denke es macht auch keinen Sinn in dem Fall mit Kalkmörtel anzufangen. Vermutlich ist die ganze Wand eh mit einem Kalkzement-Mauermörtel vermauert, da bringt die stellenweise Reparatur mit Kalkmörtel gar nichts. Die Wand anschließend mit Kalk zu weißeln, kannst du ja immer noch.

Die Fugen einfach mit Putz zuzuwerfen ist zwar machbar, aber eher suboptimal. Du musst schon sehr fest anwerfen und immer einer größere Masse an Mörtel auf der Kelle haben, damit der Mörtel auch wirklich überall tief in die Fugen fliegt und dort durch den Aufprall des eigenen Massegewichts halbwegs verdichtet und somit auch lasttragend wird.

Gruß,
KH

Fugenprobleme


24.05.2022 Tilman

Hallo Karl-Heinz,

>> Ich würde über die Fugen zuerst mal mit Druckluft drüber gehen, damit alle losen Mörtelbrocken möglichst schnell und für mich kommod raus fliegen.

Mich würde nicht wundern, wenn die Fugen danach leer, sprich: nicht mehr existent sind. Der ursprüngliche Mörtel ist so weich, dass man theoretisch endlos mit dem Handfeger nachbürsten kann. Er rieselt einfach immer weiter. Was auch immer es für ein Mörtel war, ob nur Kalk oder mit Zementzuschlag: Binden tut da nichts mehr. Aus dem Grund lassen sich auch so viele Steine bewegen, auch wenn die Fugen größtenteils kaum tiefer als vielleicht 4 Zentimeter sind.

>> Die Fugen einfach mit Putz zuzuwerfen ist zwar machbar, aber eher suboptimal. Du musst schon sehr fest anwerfen und immer einer größere Masse an Mörtel auf der Kelle haben, damit der Mörtel auch wirklich überall tief in die Fugen fliegt und dort durch den Aufprall des eigenen Massegewichts halbwegs verdichtet und somit auch lasttragend wird.

Was ja nicht schlimm wäre mit der vollen Kelle. Den Überschuss kann man ja wieder abnehmen. Geweißelt werden soll anschließend nichts. Als Inspiration, wie es später aussehen sollte, dient mir das Klosterrestaurant in Irsee. Hier ein Bild aus dem Netz: https://www.holidaycheck.de/hm/bilder-videos-hotel-irseer-klosterbraeu/658d10bb-33a2-3754-93d1-5fcba19e8864/-/m/picture/mediaId/54065f05-d020-3d6a-a7a1-ef0fa818589e

Ob es farblich später eher heller Kalkputz oder gräulicher Kalkzementputz ist, ist mir gleich. Ich will noch eine leichte Struktur erkennen können und die Backsteine sollten nicht komplett bedeckt sein. Aus der Nähe heraus betrachtet sieht es aus, als wenn man die Fugen nach dem Füllen mit einem nassen Pinsel verstrichen hat. Das ist allerdings nur geraten. :)

Viele Grüße
Tilman

Backsteinmauer stabilisieren und verfugen


09.07.2022 Tilman

Da es nichts Unnützeres als Forenthreads ohne Resultat gibt, will ich hier noch unseren Lösungsweg nachreichen. Ich habe mich hierzu mit Karl-Heinz per Mail ausgetauscht.

Die Zementbrocken wurden vollständig aus den Fugen entfernt, anschließend die Fugen mit geringer Druckluft ausgeblasen und der noch verbleibende Kalkmörtel in den Fugen mit Tiefengrund verfestigt. Nach einigen Tests hat sich ein Bewurf mit Kalkzementmörtel als beste Lösung herausgestellt. Mit der richtigen Konsistenz und Wurftechnik werden die Fugen gut gefüllt, was sich auch daran zeigt hat, dass sich der Mörtel beim Auftreffen in der Fuge in alle Fugenrichtungen hin verteilt hat.

Da wir uns doch für eine etwas hellere Wand entschieden haben, musste der Bewurf nicht einmal besonders sauber erfolgen. Der Mörtel wurde mit einem nassen Quast einfach über die gesamte Oberfläche verschlämmt. Es wäre mit der gleichen Methode aber auch durchaus möglich, die Backsteine bis zu 70 oder 80 Prozent sichtbar zu lassen. Dazu hätte es nur einen kleineren Pinsel zum Verschlämmen gebraucht.

Hier noch ein Link zum vollständigen Blogartikel: https://www.hausen8.de/artikel/fortschritte-im-heizungsraum

Viele Grüße
Tilman