Haustür restaurieren, was zum Ausbessern von Löchern/ Rissen verwenden


06.06.2022 MarcS 9 276

Hallo,

die 120Jahre alte Haustür ist seit Dezember eingebaut, die häßliche weiße Kunststofftür ist Geschichte. War etwas komplexer da die Tür "Winsch" (in sich verdreht) war. Den Rahmen entsprechend schief eingebaut, schließt jetzt einwandfrei.
Die Tür war weiß und ursprünglich sollte sie das auch bleiben. Beim entfernen der alten Lackschichten kam aber ein sehr schönes Holz zum Vorschein, jetzt soll die Tür nur lackiert werden. Die tiefen Stellen sind bereits mit Baufan Holzkitt verspachtelt. Dieses Holzkitt ist aber zu hell und irgendwie finde ich nichts gescheites was später halbwegs die Holzfarbe hat und was überstreichbar ist. Über die Methode Holzleim mit Sägemehl zu mischen hab ich jetzt nur schlechtes gelesen. Epoxyharz macht wohl die Holzbewegungen nicht ausreichend mit. Holzkitt habe ich zwar auch in ein paar Farben von Clou gefunden, aber in 150g Dosen, da komme ich nicht wirklich weit... Nur bei Hartwachs habe ich mehr Farben gefunden, aber ist Hartwachs überstreichbar? Hab viele Tipps zum Ausbessern mit Wachs gefunden, aber nicht bzgl Überstreichen.
Die Tür soll zuerst mit ganz leicht getöntem Bläueschutz gestrichen werden. Dann irgendwie die paar Stellen farblich anpassen welche mit Fichte oder ähnlichem hellen Nadelholz ausgebessert wurden (z.B. Briefkastenschlitz). Dann noch zweimal mit leicht getöntem Lack überstrichen. Lacke auf Leinölbasis kommen leider nicht in Frage, die Trockenzeiten sind nicht möglich (Tierarztpraxis im Haus, entsprechend Publikumsverkehr).
Von der Maserung sieht es fast wie Pitchpine aus. Die beim mir verbauten Pitchpinedielen sehen aber etwas rötlicher aus. Genaue Herkunft der Tür ist nicht bekannt, vermutlich Norddeutschland.

Und bevor ich haue wegen dem Türdrücker bekomme, der wird noch ersetzt ;-)

Hoffe Ihr könnt mir ein paar Tipps geben. Vielleicht kann ja jemand anhand der Fotos auch die Holzart eingrenzen.

Nahaufnahme


06.06.2022 MarcS

Nahaufnahme

Vorher


06.06.2022 MarcS

Vorher mit dem alten Lack

Haustür instand setzen



Wachse, Acrylmassen u.ä. werden als letztes, nach der Oberflächenbehandlung verwendet, da sich erst dann der Farbton ergibt und die ohnehin kaum überlackierbar sind.
Breite Fugen würde ich mit keilig gehobelten/gesägten Holzleisten ausleimen-
wenn die angrenzenden Holzflächen wie bei Füllungen ‚arbeiten‘ müssen,
den Leim nur einseitig auf die Leiste auftragen.
Aus dem Parkettbereich gibts elastische Fugenmassen in verschiedenen Farbtönen oder Fugenkitt zum selbst anmischen mit feinem Schleifstaub-
Sägemehl ist dazu viel zu grob.

Kitte:



Die Baumarktholzkitte sind grundsätzlich nicht empfehlenswert für diese Aufgabe.

Ich arbeite bei bewitterten Bauteilen mit einem 2K Epoxydharz, Ponal Duo. Das ist speziell für Holz gemacht und bleibt elastisch, geht also beim Arbeiten des Holzes mit. Ist überstreichbar. Achtung: 24h Abbindezeit. Da der ursprüngliche Farbton (ein helles Gelb) nur selten passt, gebe ich Erdpigmente zu. Das wären hier vermutlich Umbra Rehbraun, Terra die Siena Natur und eine Spitze Umbra gebrannt.

Füllungen müssen weiter seitlich arbeiten können, also nicht in den Rahmen "kleben".

Hartwachskitte sind im Aussenbereich ungeeignet. Parkettdichtmassen sind gleichfalls nicht für bewitterte Flächen gedacht. Silikon ist grundsätzlich zu meiden.

Von Lacken würde ich Abstand nehmen. Irgenwann brennt man wieder ab, und schleift erneut.

Eine Bläueschutzgrundierung (auf Ölbasis!) ist sinnvoll. Ich arbeite da mit der "Schele - Grundierung" von "Natural".

Danach würde ich zu Öllasuren raten. Mit "Natural" kenne ich mich am Besten aus, ich nehme die Holzlasur classic (d.h. ohne Wasseranteile). Gibt es in verschiedenen Farbtönen.

Die Trocknungszeiten: Wenn man mit ein wenig Geduld dabei ist, passt das durchaus zur Nutzung. Macht man das jeweils Freitag nachmittag / Samstag vormittag, ist die Tür Montags zumindest staubtrocken. Erstauftrag: Deckend aufstreichen, nach 30min Überstände abwischen. Folgeaufträge nach guter Durchtrocknung: dünn auftragen, Überstände nach 30 min abwischen. Das ganze mehrfach, ggf. später nur dünn mit einem fusselfreiem Lappen die Lasur aufwischen. Macht man's richtig, passt das mit den Trockenzeiten. Vorteil des Verfahrens: Nie wieder schleifen. Zur Auffrischung reinigen und Lasur dünn wie beschrieben auftragen.

Grüße

Thomas

P.S. Die Tür ist höchstwahrscheinlich aus einfacher Kiefer. Als Pitch-Pine wird gern im Norden alles mögliche bezeichnet, tatsächlich kam dieses amerikanische Holz gegen Ende des 19. Jh. nicht so häufig vor.

Haustür


07.06.2022 MarcS

Vielen Dank für Eure super Tipps.

Das System von Thomas hört sich gut an. Dazu noch ein paar Fragen:

Wie/ mit was kann ich in diesem System das hellere Holz nachdunkeln, mit dem zB der Briefkastenschlitz geflickt ist?

Ich habe gesehen, dass es noch einen Natural Wetterschutz mit UV Schutz gibt. Es ist ein Vordach drüber, brauche ich diesen außen?

Ich kenne für Parkettöl auch die Möglichkeit einen Härter für eine höhere mechanische Belastbarkeit beizumischen. Gibt es sowas auch in diesem System?

Das Parkettöl...



dem man noch Härter zumischt, ist ein Dünnschicht-Öllack, auch wenn's als Öl angepriesen wird. Der "Härter" beschleunigt die Trocknung, verbessert nicht die Festigkeit. Für Leinöllasuren ist solch ein zusätzlicher Härter nicht geeignet. Sie enthalten eh schon Sikkative. Ich halte von derartigen "Turboöllacken" nix.

Die zu helle "Fehlflickung" sollte vorher mit Holzbeize farbig angepasst werden. Oder Du machst es nochmal mit alter passender Kiefer. Die Lasur ist zwar pigmentiert und zieht damit die unterschiedlichen Farbnuancen des alten Holzes zusammen, das jedoch kann sie nicht leisten.

Mit dem Wetterschutz könnte man nach dem Lasurauftrag immer 'mal dünn drüberwischen. Das schützt gut und bringt, weil pigmentfrei, keine zusätzliche Farbe und somit vielleicht unterschiedliche Tönungen.

Viel Erfolg

Thomas

Holzöl


09.06.2022 Schloß Burgk

Als Holzöl, welches auch in vertretbarem Zeitraum trocknet, kann ich sogenannte Boatsoup empfehlen. Gibts bei Farbmanufaktur Werder. Das ist eine Verkochung aus Leinöl, Kiefernteeröl und Tungöl. Trocknet nach wenigen Tagen gut ab, ist glaube ich ohne Sikkative also Schwermetall, weil das Tungöl die kurze Trocknungszeit mitbringt falls doch nicht, sind aber nie mehr als 2 % drin. Da kann man aber noch mal nachfragen oder nachlesen, auf der Homepage gibt es viel Lesenswertes.
Ich verwende die Boatsoup jetzt schon viele Jahre auf Terrasse, Zaun, Fachwerkhaus usw. und habe eigentlich gute Erfahrungen gemacht damit. Mit der Zeit dunkelt das Holz natürlich nach aber das ist wohl bei allen Holzölen der Fall denke ich. Mann kann das Holzöl natürlich auch einfärben, wie auf dem Bild beispielhaft zu sehen ist.

Generell ein guter Link,



für z.B. Zäune scheint das Produkt bestens geeignet. Ich werde mir ein Gebinde bestellen.

Für die Tür eher nicht optimal, aufgrund des Teergeruches. Dieser wird, nach meiner Erfahrung mit ähnlichen Produkten, nur langsam abklingen.

Trotz der informativen Homepage vermisse ich Aussagen zur Trockenzeit, die ja auch nicht unwichtig ist.

Grüße

Thomas

Tungöllack


09.06.2022 Tilman

Wenn Glanz kein Ausschlusskriterium ist, kann ich auch den Tungöllack von Kremer Pigmente empfehlen. Wir haben damit die Dielen im Dachboden ebenso wie alle Fenster außen im bewitterten Bereich gestrichen. Ideal sind 3 möglichst dünne Schichten, die bei gutem Wetter innerhalb eines Tages grifftrocken sind. Der Geruch war im Dachboden nach unter einer Woche verflogen.

Einziger Nachteil: Fliegen finden den Geruch des frischen Lacks anscheinen super toll. In unserem Dachboden sind geschätzte 1000 Fliegenbeine im Lack. :)

Hier der direkte Link: https://www.kremer-pigmente.com/de/shop/mal-binde-klebemittel/79055-tungoel-lack.html

Viele Grüße
Tilman



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