Ausfachungen erneuern - Eiche vorbehandeln


04.07.2022 ThomasM 6 330

Hallo liebe Fachwerk-Gemeinschaft,

wir sanieren seit nunmehr ca. 2,5 a ein ca. 200 Jahre altes Fachwerkhaus und ich bin in eurem Forum schon des Öfteren auf gute Tipps und Tricks gestoßen, wie ich auch als Laie meine Arbeitskraft in das Projekt einbringen kann.
Z.Z. beschäftige ich mich mit der Instandsetzung des hofseitigen Fachwerks. Hier wurden vor ca. 1 Jahr die Schwellbalken sowie der Fundamentsockel vollständig erneuert. Die mit Backsteinen (Reichsformat) ausgemauerten Gefache wurden für den Austausch der Schwellen entfernt, nun möchte ich diese wieder mit Leichtlehmsteinen ausmauern.
Vor geraumer Zeit bin ich auf das nachfolgende Video aufmerksam geworden:

https://www.youtube.com/watch?v=iomYa1NiM2Q

Dort beschreibt der Maurermeister bei der Gefach-Reparatur, dass er die Staken usw. mit einer Lehm-Leinöl-Emulsion vorbehandelt, um einen Feuchtigkeitseintrag in das Holz zu vermeiden, aber auch die natürliche Klebefunktion zu nutzen.
Hat hier vielleicht jemand schon in der Richtung Erfahrungen sammeln können und wenn ja, in welchen Teilen der Holzschutz anzurühren ist sowie welche genauen "Zutaten" (kaltgepresstes/warmgepresstes Leinöl, Leinölfirnis, usw.) hierfür erforderlich sind?

Herzliche Grüße in die Runde
Thomas Müller

Holzschutz im Fachwerk



Ja, der Gute machts in dem Film 200%-ig... ;-)
Das soll nicht abwertend sein! Im Gegenteil, der A. Fenzke ist eine ausgewiesene Koryphäe, auch ich habe schon Einiges von ihm gelernt.
Allerdings halte ich das Ölen von Stakung und Flechtwerk dann doch für etwas übertrieben. Denn der Strohlehm sollte sowieso so bindig sein, dass er auch ohne Öl hält. Abgesehen davon ist der Feuchteeintrag in Staken und Flechtwerk a) relativ gering und b) nur einmalig und von kurzer Dauer (bis der bewurf getrocknet ist). Ist die Ausfachung dann zu, kommt keine Feuchtigkeit mehr ins Innere....sollte zumindest...;-)
In deinem Fall ist das aber bis hier her irrelevant, da du ja die Gefache ausmauern willst.

Was ich auch für sinnvoll halte (und auch mache) ist, die Balken vorm Ausmauern der Gefache allseitig satt zu ölen. Um die Aufnahme von evtl. eindringendem Wasser so gut als möglich zu minimieren.
Aber Achtung: Völlig kontraproduktiv ist, an die frisch geölten Balken ran zu mauern und schlimmer noch, an noch nicht völlig getrocknetes Öl ran zu verputzen. Denn an der noch ölig-klebrigen Balkenoberfläche verklebt der Mörtel richtig fest. Wenn es dann später zum Abriss kommt (was garantiert und immer passiert, weil das Holz immer "arbeitet"), kann der Riss "unkontrolliert" irgendwo entstehen, ein paar mm bis cm vom Anschluss weg. Eben weil die ersten paar mm Mörtel fest am Holz verklebt sind.
Ist das Öl völlig ins Holz eingezogen und die Holzoberfläche wieder trocken, entsteht der Riss i. d. R. exakt am Holz entlang. Einschränkung: Sofern das Holz relativ glatt ist und keine Fasern abstehen, die sich im Mörtel verkrallen, oder die Oberfläche stark zerfressen/rau ist.

"....welche genauen "Zutaten" (kaltgepresstes/warmgepresstes Leinöl, Leinölfirnis, usw.) hierfür erforderlich sind?" Ich verwende transparentes, rohes Leinöl von Leinölpro (gibts einen Onlineshop).

Gruß,
KH

Holzschutz im Fachwerk


05.07.2022 ThomasM

Hallo Karl-Heinz,

vielen Dank für deine schnelle Antwort!
Dann würde ich mich auf das Ölen der innenliegenden Balken beschränken, vorher aber nochmal die betroffenen Stellen schleifen (damit die Bereiche relativ glatt sind).
Ich habe noch ein paar Kanister Leinölfirnis auf Lager...kann ich die auch ohne Bedenken einsetzen?
So könnte ich spätestens morgen mit dem Streichen anfangen und bis Samstag sollte dann auch alles trocken sein.

Gruß
Thomas

Re: Leinölfirnis?



"Ich habe noch ein paar Kanister Leinölfirnis auf Lager...kann ich die auch ohne Bedenken einsetzen?"
Sagen wir mal so: Besser als nichts, mehr aber auch nicht.
Ich bin kein Freund von Leinölfirnis. Da sind Sikkative drin, damits schneller trocknet. Die "sorgen dafür" dass das Öl nicht so tief einzieht als reines Öl. Man kann zwar Firnis wiederum verdünnen, eben damit es besser/tiefer einzieht, hat dann aber Terpentin, Waschbenzin, Petroleum, oder was auch immer im Anstrich, was am Ende die im Holz verbleibende Menge an Öl wiederum reduziert.
Wenn es schnell gehen soll, verwende besser gekochtes Leinöl. Das "trocknet" schneller als rohes. Das zieht zwar auch nicht so tief ein als rohes, ist aber wenigsten pur/unverdünnt.

Gruß,
KH

Gekochtes Leinöl


07.07.2022 ThomasM

Vielen Dank für den Tipp!
Dann werde ich mich mal schnell um gekochtes Leinöl bemühen, damit die Arbeiten auch am Samstag stattfinden können. Bei den nächsten Ausfachungen werde ich dann etwas mehr Zeit einplanen :)

Gruß
Thomas

Kleiner Tipp


07.07.2022 Methusalem

Gekochtes Leinöl findest du in jedem Baumarkt unter dem Handelsnamen Leinölfirnis.

Ist das wirklich so?


07.07.2022 ThomasM

Wenn ich mich richtig belesen habe, dann gibt es zwischen einfach gekochtem Leinöl und Leinölfirnis schon einen Unterschied:

gekochtes Leinöl - kalt gepresst und geklärt, bei über 100 °C voroxidiert und enthält 0,4 % Metallsalze als Trockenstoffe (Sikkative).

Leinölfirnis - heiß gepresst und mit reichlich chemischen Hilfsmitteln hergestellt.

Wie bereits KH vorher erläutert hatte, scheint es hier ja auch (abgesehen von den Zusätzen) deutliche Konsistenz- und Einwirkzeitunterschiede zu geben. Mit Leinölfirnis habe ich ich schon mehrfach gearbeitet, mit den anderen Arten konnte ich leider noch keine Erfahrungen sammeln.

Gruß
Thomas