Welcher Aufbau Holzbalkendecke/Boden


18.08.2022 Säntis 7 271

Hallo liebes Forum,
es gibt undendlich viele Beiträge zu diesem Thema und ich habe schon viele nützliche Informationen daraus herausgezogen. Jetzt aber Frage zum Aufbau meines Fußbodens, teils zur Erläuterung, teils zur "Absicherung"...
Wir machen eine Kernsanierun in unserem Haus aus dem BJ~1920. Die Abgehängten Decken sind runter und der frühere Bodenaufbau ist raus, das heißt wir sind jetzt im quasi Rohbauzustand. Wir können also langsam ans aufbauen denken. Uns wurde jetzt empfohlen die 100 Jahre alte Lehm-Stoh-Staub Schüttung zu erneuern.
Bodenaufbau EG:
1. Schüttung raus, dann Rieselschutz (was nehme ich da am besten) auf die Bretter. Brauche ich eine Dampfbremse zwischen Keller und EG wenn ich die Kellerdecke ebenfalls dämmen möchte? Auch wenn ich das ein Jahr später erst angehe?
2.Abgrenzungstreifen an die Wand?
3. Neue Schüttung rein, es wurde mir Blähton+Kalk ans Herz gelegt. Später soll eine FBH verbaut werden, sollte ich da bereites in der Schüttung mehr auf Wärmedämmung achten?
4. OSB Platten Stärke 22 auf die Balken/Schüttung
5. Aufbau FBH (wird vom Fachmann gemacht).
Ist das so schlüssig oder mache ich da einen Fehler? Ich möchte natürlich nicht das mir da die Balken irgendwann weggammeln.
Mache ich zwischen EG und OG oder OG und DG den gleichen Aufbau nur halt ohne Dampfbremse? Das DG wird ebenfalls neu gemacht und durch das Dach gedämmt.

Zusatzfrage, kann ich die Lehm-Stroh Schüttung in den Garten machen und für eventuelle Ausgleichsrbeiten nutzen oder sollte die lieber dirket in den Container?

Vielen Dank!

Grüße
S

Dampfbremse oder nicht


18.08.2022 Leinöler75

Ich nutze einen U-Wert Rechner, um festzustellen ob man eine braucht. z.B. Ubakus.de. Einfach mal rumspielen
Bin Privatmann mit physikalischem Hintergrund, der an seinem Haus saniert.

warum das denn ?


18.08.2022 Thommes

......."Uns wurde jetzt empfohlen die 100 Jahre alte Lehm-Stoh-Staub Schüttung zu erneuern."........

warum soll die denn raus ??
verschimmelt ??
ich habe bei mir zur Reparatur der balken die lehmfüllung rausgenommen...eingelagert und nach der Balkenreparatur wieder eingebaut.
kostet nix....ökologisch...nachhaltig...was will man mehr.

Heutzutage zahlen Bauherren ein vermögen für produkte aus lehm/ stroh.....

und manche Leute schmeißen es einfach weg weil man denkt was neues MUSS ja besser sein.



gruß

Stimmt schon, warum nur


18.08.2022 Säntis

"neu ist immer besser..." könnte man jetzt meinen. Aber die Empfehlung kam asu den Gründen der Stabilität und verbesserung des Tirttschalls sowie eventuell die verbesserung der Dämmung.
Warum die Schüttung definitiv mal raus muss ist die Balkenkontrolle sowie einbringung eines neuen Rieselschutzes. Bisher läuft man durch das OG und das EG ist dreckig. Gut, man muss dazu sagen das bereits die abgehängte Decke raus ist.
Aber ich finde die Idee die Schüttung zu lagern sehr gut. Kann ich die Schüttung eventuell bei wieder einbringen noch aufwerten mit additiven? Nach 100 Jahren ist das ganze schon recht fest gebacken und dann werde ich mich beim einbingen und glatt ziehen schwer tun.

rieselschutzbahn habe ich ...


18.08.2022 Thommes

von unten gegen die Decke getackert.
Proclima RB

Schallschutz und Schwingungen der decke bekämpfst du am besten mit einer dichten Füllung ....und gewicht...
dafür ist Lehm mit Stroh + Sand gut geeignet.

die Balken kannst du von unten und oben kontrollieren....wenn da nix erkennbaren ist würde ich die Füllung nicht rausnehmen.

ich habe die lehmstücke mit einem hammer zerkleinert und mit wasser aufgeweicht.
dann mit einer mörtelquirl zermanscht und wieder eingebaut.
auf die Fehlbodenbretter eine 3cm schicht aus Lehmmörtel...darauf dann trocknes Material.

gruß

Über welche Decke....



...... redet ihr jetzt?
Im Eingangsbeitrag schreibst du von der Kellerdecke/Aufbau Fußboden EG, dann springt ihr zur Geschossdecke EG/OG ("Bisher läuft man durch das OG und das EG ist dreckig."). Das sind zwei unterschiedliche Paar Schuhe.
Z. B. braucht die Kellerdecke, bzw. der EG-Fußboden keinen Trittschallschutz wenn im Keller keine Wohnräume sind, dafür eine gute Dämmung. Bei der Geschossdecke EG/OG ist genau umgekehrt: keine Wärmedämmung nötig, aber guter Schallschutz. Bei der obersten Geschossdecke OG/DG (ungeheizt, mit Kaltdach) ist es wieder wie bei der Kellerdecke.....
Bleibt doch bitte der Übersicht halber bei einem Bauteil, oder definiert bitte jeweils genauer um was es gerade geht, sonst gibt das wieder mal ein unendlich langer Thread in dem alles doppelt und dreifach erwähnt wird.
Danke!

Zu dem was Thommes schrieb:
Er hat völlig recht, wenn eine (alte) Strohlehmfüllung nicht verrottet, schimmelig oder sonst wie belastet ist, kann man sie durchaus wieder verwenden. Entweder weicht man sie wieder ein und baut sie feucht ein, was den Vorteil hat dass sie wieder zu einer festen Platte wird, aber lange braucht bis sie durch getrocknet ist, oder man bröselt den trockenen Strohlehm klein und kippt ihn nur als lose Schüttung in die Gefache, was den Nachteil hat dass die Mischung arg entmischt wird und das meiste Stroh mehr oder weniger nur oben drauf liegt.
Wenn es die Statik der Decke/Deckenbalken her gibt (!!!), kann man das lose Stroh raus lesen und die restliche Gefachhöhe z. B. mit Lehm der an anderer Stelle übrig bleibt, oder mit trockenem Sand auffüllen, oder mit Ziegelsteinen/Gehwegplatten/o. ä. voll setzen, die Ziegelstein/Gehwegplatten ,it dem Lehm in die Gefachen mauern, oder, oder.....
Man muss sich dabei halt bewusst sein dass das Gewicht dadurch u. U. wesentlich höher werden kann. Deshalb die Einschränkung: "Wenn es die Statik der Decke/Deckenbalken her gibt". Im Zweifel dann besser zuerst einen Statiker zu Rate ziehen.

Zu deinem Punkt 4. "OSB Platten Stärke 22 auf die Balken/Schüttung".
Zum Einen, die Ausfachungen (Schüttung) von alten Balkendecken sind nicht dafür gemacht Lasten zu tragen. Die Lasten liegen NUR auf den Balken! Heißt, streiche "Schüttung" aus deiner Frage (und Kopf... ;-) ....)
Zum Anderen, wenn man statt einer Lage dicker OSB-Platten (22 mm) zwei Lagen dünner Platten (12 -15mm ) stoßversetzt übereinander legt wird eine Punktbelastung auf Stöße von der jeweils anderen Lage verteilt. Die fliegenden Stoßfugen sind wesentlich höher belastbar, die Platten biegen sich an den Stößen nicht mehr durch als in der Fläche. Das kann gerade bei sehr flachen/dünnen (Heiz-)Estrichsystemen von entscheidendem Vorteil sein.

"Mache ich zwischen EG und OG oder OG und DG den gleichen Aufbau nur halt ohne Dampfbremse? Das DG wird ebenfalls neu gemacht und durch das Dach gedämmt."
Wenn das DG auch bewohnt wird, werden beide Decken gleich aufgebaut. Bleibt das DG ungeheizt, sollte die OG/DG-Decke trotz Dachdämmung wärmegedämmt werden. Der Dachboden soll ja nicht durch die Decke mit geheizt werden.

Gruß,
KH

eins nach dem anderen


22.08.2022 Säntis

Hallo KH,
vielen dank für deine wirklich gute und ausführliche Antwort. Du hast absolut recht man sollte nicht im Thema springen. Daher hier mal Punkt für Punkt.
1. Macht es Sinn oder ist es notwendig das ich eine Dampfbremse verbaue zwischen Kellerdecke/EG? Ich möchte die Kellerdecke noch nachträglich dämmen, also würde ich jetzt die Dampfbremse "von oben kommend" weg lassen und die Decke/Boden halten wie es ist. Einen Rieselschutz brauche ich in jeder Zwischendecke, da wurde dran gespart.
2. Die Idee die Schüttung zu halten finde ich sehr gut und wird jetzt auch so geplant. Wenn ich die Schüttung austauschen will/muss dann werde ich das mit Lehm oder Sand machen. Ich denke um einen Statiker komme ich so oder so nicht mehr drum rum. Lese ich richtig das es Sinnvoller ist die Schüttung feucht zu verarbeiten? Ich sollte dann aber vermutlich verzichten mit OSB-Platten zu zu machen so lange die Schüttung nicht trocken ist. Richtig?
3.Die Schüttung trägt nicht das war mir bewusst :) Das kommt wirklich noch nicht so oft vor ...
4. Die beiden OSB-Platten stoßversetzt...kommt etwas zwischen die Platten das ich da keine Geräuschentwicklung habe oder presst sich das ganze Gebilde am Ende so zusammen das es da keine Gefahr gibt? UND die Platten sind beide schwimmedn oder Fest mit den Balken verbunden?
5. OG/DG, DG wird ein Warmdach, heißt Dampfbremse ist im Dach und ich behandel diesen Boden wie EG/OG.

Re: eins nach dem anderen



OK, dann ausnahmsweise nochmal.... ;-)

"1. Macht es Sinn oder ist es notwendig das ich eine Dampfbremse verbaue zwischen Kellerdecke/EG? Ich möchte die Kellerdecke noch nachträglich dämmen, also würde ich jetzt die Dampfbremse "von oben kommend" weg lassen und die Decke/Boden halten wie es ist....."

Eine Dampfbremse brauchts da nicht, das EG ist ja beheizt. Von daher entsteht kein Kondensat unterm Fußboden. Unter der Decke auch nicht, wenn du da sowieso eine Dämmung drunter baust. Der Deckenquerschnitt ist ja dann komplett "im Warmen" (d. h., kein Taupunkt, kein Kondensat).


"2. Die Idee die Schüttung zu halten finde ich sehr gut und wird jetzt auch so geplant. Wenn ich die Schüttung austauschen will/muss dann werde ich das mit Lehm oder Sand machen. Ich denke um einen Statiker komme ich so oder so nicht mehr drum rum. Lese ich richtig das es Sinnvoller ist die Schüttung feucht zu verarbeiten? Ich sollte dann aber vermutlich verzichten mit OSB-Platten zu zu machen so lange die Schüttung nicht trocken ist. Richtig?"

Eine Gefachfüllung kann man entweder fest, quasi als "Scheibe"/"Block" gemauert/gestampft, oder als lose Schüttung einbauen. Statisch oder bauphysikalische macht das keinen Unterschied. Bei einer festen "Scheibe" rieselt halt nix nach unten. Strohlehm, vor allem mit hohem Strohanteil kann man nur nass einbauen, einfach weil er anders nicht angemischt werden kann. Der Lehm soll ja die Strohhalme umhüllen und dadurch zusammenhalten /verkleben. "Schüttung" heißt immer lose und trocken, max. vielleicht noch erdfeucht.
Richtig ist, die Gefachfüllung MUSS zwingend völlig durch getrocknet sein, bevor sie zu gebaut wird !!!!
Es könnte sonst schnell zu Schimmelbildung kommen und/oder die organischen Anteile der Füllung (Stroh, usw.) fangen an zu verrotten. Am Besten lässt man die Decke beidseitig offen, damit sie schnellstmöglich austrocknen kann. Permanenter Wind (Ventilator) beschleunigt die Trocknung zusätzlich.


"3.Die Schüttung trägt nicht das war mir bewusst :) Das kommt wirklich noch nicht so oft vor ..."

Bei DIR vielleicht nicht..... lies mal so manch anderen Beitrag hier im Forum.... ;-)


"4. Die beiden OSB-Platten stoßversetzt...kommt etwas zwischen die Platten das ich da keine Geräuschentwicklung habe oder presst sich das ganze Gebilde am Ende so zusammen das es da keine Gefahr gibt? UND die Platten sind beide schwimmedn oder Fest mit den Balken verbunden?"

Ich verleime die einzelnen Platten nicht miteinander, verschraube aber die beiden Lagen miteinander (bei 2 x 15mm-Platten mit 4x30 Teilgewinde-Spax). da knirscht oder "knarzt" nix. Wenn diese Plattenlage nur einen Rohboden bilden, auf den weiter aufgebaut wird (z. B. ein Estrich), kann/sollte man die Platten direkt auf die Deckenbalken schrauben (5x60/70 Teilgewinde). Darauf wird dann der weitere Fußboden (und die Trittschalldämmung) schwimmend, d. h., schallentkoppelt, gebaut. Eine zusätzliche Trittschalldämmung unter dem Rohboden bringt nix, wenn er auf die Deckenbalken geschraubt wird. Über die Schrauben wird der Schall sowieso in die Balken/Decke geleitet.


5. OG/DG, DG wird ein Warmdach, heißt Dampfbremse ist im Dach und ich behandel diesen Boden wie EG/OG.

"Warmdach" heißt zunächst nur dass das Dach gedämmt ist. Ob da auch eine Dampfbremse od. -sperre verbaut ist, spielt für die OG/DG-Decke keine Rolle.
Wenn das DG unbewohnt, also ungeheizt bleibt, wird es im Winter trotz Dachdämmung zumindest sehr "kühl" werden. Fällt die Raumtemperatur im DG unter den Taupunkt, kanns unterm Fußboden zu Kondensatbildung kommen, wenn er sehr dampfundurchlässig, d. h., z. B. mit OSB-Platten zu gebaut ist.
Entweder musst du dafür sorgen dass das DG im Winter einigermaßen warm ist (Raumtemp. > Taupunkt), oder du musst eine Dampfsperre unter die Decke bauen, die dann ÜBERALL auch wirklich dicht ist, oder der DG-Fußboden ist so diffusionsoffen dass die Feuchte nach oben raus kann. Heißt, den Boden z. B. als Dielenboden / mit Rauspunddielen bauen. Durch die Fugen der Dielen/Bretter kann die Feuchte raus.


Falls du dich mit dem Thema Taupunkt/Kondensatbildung überhaupt gar nicht auskennst, recherchiere bitte selbst im www. Das im Detail hier zu erklären sprengt den Rahmen des Forums. https://de.wikipedia.org/wiki/Taupunkt

Gruß,
KH