Nasse Zwischenwand nach Flut


10.11.2022 Pascale 5 347

Ein herzliches Hallo,
ich wende mich an diese wunderbare Community,da wir ein massives Problem mit unserem Häuschen nach der Flut Juli 2021 haben
Unser Fachwerkhaus stammt von 1940,der dazugehörige Anbau von 1960.
Die Flut schoss einmal durch unser Erdgeschoss...durch gute Türen stand das Wasser draußen ca 1,40m.hoch,im Haus ca 1m.
Die Wände wurden nach der Flut komplett freigelegt,Trocknung durchgängig mit 9 Bautrocknern bis Dezember 2021.Der Aufbau der Wände erfolgte durch einen Fachspezialist Lehmbau (Claytec)
Eine Wand bereitet uns große Sorgen.
Die Fakten:
Zwischenwand zum Badezimmer,keine Leitungen in der Wand,Keine Leerrohre Elektrik
Aufbau: Natur Dämmputz,Lehmputz
Problem: Mitten auf der Wand entstehen nasse Stellen..Die Gutachterin ist ratlos.Nun werden wieder Bautrockner ins Haus gestellt,die laufen sollen

Nasse Zwischenwand nach Flut


11.11.2022 Mario

Hier wird es sich um sogenannte hygroskopische Feuchte handeln. Das ist erstmal kein "gravierendes" Problem.
Salze aus den Baumaterialien binden Wasserdampf aus der Umgebungsluft, was auch bei praktisch trockenen Verhältnissen zur Anreicherung von Feuchte führt. Gerade die im Lehm enthaltenen Tonminerale sind gute Ionentauscher und konzentrieren Salze aus dem Untergrund, insbesondere während langer Trockenzeit schnell bis an die Oberfläche. Für eine Sanierungsempfehlung sollte der Aufbau genau geklärt sein.

Nasse Flecken


11.11.2022 Dearno

Hallo. Ich möchte Mario in seiner Einschätzung unterstützen. Das Phänomen der Hygroskopischen Feuchte ist mir in 40 Jahren Bauwerksabdichtung immer wieder begegnet . Zur Sanierung ist der voran gegangene Wandaufbau entscheidend.

V.G. / Detlef

Nasse Wand


11.11.2022 Pascale

Folgende Schritte wurden umgesetzt.
Wand wurde von Putz etc befreit und Mauerwerk freigelegt (siehe Bild)
Danach wurde ein Dämmputz aufgetragen,Hierauf folgte Lehmputz.

Nasse Zwischenwand nach Flut


11.11.2022 Mario

Für eine Klärung aus der Ferne sind die Angaben einfach zu knapp. Welche Materialien/Produkte welche Stärke. Welche Art ist das Mauerwerk. Mit welcher Intention wurde den der "Natur-Dämmputz" aufgetragen.

Das Problem ist wenn das Mauerwerk lange feucht steht, werden die Salze mobilisiert. Beim Trocknen kristallisieren diese dann und werden so in der Verdunstungszone (Grenzlinie) konzentriert. Wenn ich da feuchten Lehm drauf bringe gehen die Salze wieder in Lösung und lagern sich an der neuen Oberfläche an, mit dem sichtbaren Folgen.

Soweit die Salze nicht entfernt werden können, sind diese am Untergrund abzusperren, bzw. zu isolieren um einen neuerlichen Eintrag in den frischen Verputz zu vermeiden. Ggf. hilft auch eine kapillare "Entkopplung" durch Putzträger.

Vielleicht diskutiert man das einfach mal mit der Person die das vor Ort ausgeführt hat.

Öl/Fett?



Bei Hochwasser schwimmt ja alles mögliche "Unschöne" im Wasser mit und es wurden auch im Ahrtal während der Flut stehen gebliebene Häuser nachträglich abgerissen weil das Mauerwerk ölverseucht war.
Wenn es hygroskopisch bedingte Feuchteflecken sind kann man oft das Salz schmecken (mit dem Finger über den Fleck streichen und schmecken), Öl oder petrochemisches Fett riecht man.
Meiner Erfahrung nach sind durch Salze verursachte Flecken nicht so scharf abgegrenzt wie es auf dem Foto aussieht. Aber wie Mario und Detlef schon schrieben, wirklich klären kann man das nur vor Ort.
Und dann heißts, entweder Putz runter nehmen, die Stellen großzügig absperren und neu verputzen, oder so lange den Putz immer wieder erneuern, bis die Salze aus dem Mauerwerk gezogen wurden. Das kann sich über Jahre hin ziehen und nennt man Opferputz.

Gruß,
KH