Sockelputz innen


19.11.2022 Hasennasen 4 438

Wir stehen gerade vor folgendem Problem: Wir sanieren an unserer alten Mühle gerade das Erdgeschoss. Da unser Haus direkt am Fluss steht gibt es keinen Keller. Der Bau wird geschätzt auf 1905-1910. Vorgefunden haben wir in der unteren Hälfte der Räume unter dem Gipsputz eine Teerschicht. Die obere Hälfte war ein Kalkzementputz. Beim Vorbohren der Löcher für die Wandheizungsschienen mussten wir feststellen, dass die Backsteine unter den Putzen klatschnass waren. Wir planen daher unsere Wandheizung in den unteren Schienen so eng wie möglich zu setzen, um die Wand besser trocknen zu lassen. Wir verstehen nicht so wirklich, was die Teerschicht an der Innenseite bringen sollte, mein Mann hat den Putz außer in den Heizkörpernischen unter den Fenstern bereits abgenommen, die folgen aber auch noch. Ist es sinnvoll, wieder eine Art Sperrschicht zu installieren? Und wenn ja, was wäre denn zu empfehlen? Ach ja, der Rest des Hauses wurde mit Kalkputz verputzt, und der soll dann unten auch wieder auf die Wände.

Zweites Bild


19.11.2022 Hasennasen

hier noch ein anderes Bild zu dem Wandzustand

Re: Sockelputz innen



Ich darf mal deinen Beitrag in seine Bestandteile "zerlegen". ;-)

"Wir verstehen nicht so wirklich, was die Teerschicht an der Innenseite bringen sollte,...."
Das war mal "state-of-the-art", weil man dachte damit die Wände innen trocken zu kriegen und die Tapeten nicht mehr ab fallen (od. verschimmeln).
Das funktioniert auch bis zur Höhe dieser Abdichtung. Aber eben nur auf der inneren Wandoberfläche.
Dafür sperrt man so die im Mauerwerk aufsteigende Feuchtigkeit aber auch ein, was zur Folge hat dass sie noch höher steigt und das Mauerwerk bis zur vollständigen Sättigung nass wird (das Ergebnis erlebt ihr gerade).

"Ist es sinnvoll, wieder eine Art Sperrschicht zu installieren? Und wenn ja, was wäre denn zu empfehlen?"
Ja, aber als Horizontalsperre, waagrecht durchs Mauerwerk, unterhalb des Estrichs, auf Höhe des Rohbodens, damit erst gar keine Feuchtigkeit aus dem Fundament aufsteigen kann. Nur dann haben die Wände die Chance auszutrocknen (was u. U. seeehr lange dauern kann) und dauerhaft trocken zu bleiben. Was eine Horizontalsperre ist und wie man die einbauen kann, wurde hier im Forum schon x-mal besprochen, sucht bitte selbst danach.

"...der Rest des Hauses wurde mit Kalkputz verputzt, und der soll dann unten auch wieder auf die Wände."
Der bringt nichts/nicht viel wenn die Wände feucht bleiben. Allenfalls wird die Feuchtigkeit nicht mehr ganz so hoch ziehen, weil der Kalkputz mehr und schneller aus den Wänden raus verdunsten lässt. Es kann dadurch aber auch (vermehrt) zu Salzausblühungen kommen, eben weil mehr Feuchtigkeit transportiert wird, sprich nach kommt, die entsprechend mehr Salze mitbringt.

Lasst euch von niemand einen Sanierputz und/oder ähnliche "Wundermittelchen" aufschwatzen. Das sind alles nur "Opferputz" die zwar vielleicht die Symptome etwas länger kaschieren, aber früher oder später auch versagen und erneuert werden müssen. Vor allem an/in einem Gebäude wie einer Mühle, direkt am Wasser...

Gruß,
KH

Lieben Dank an KH


21.11.2022 Hasennasen

Dann bleib ich mal bei der Aufteilung ;).

Gut, das mit der Teerschicht hab ich schon befürchtet. Im Flur hatten wir eine "schicke" folierte Styroportapete gefunden. Da war ganz eindeutig das von Dir geschilderte Aufsteigen zu sehen. Auch dort haben wir den Putz bis auf das Mauerwerk runtergeschlagen. Die Wand ist mittlerweile schon trocken, insofern besteht Hoffnung, dass die Wandheizung auch in dem zukünftigen Esszimmer den Rest der Feuchtigkeit eliminiert. Wir haben den Luxus mit unserer Kombi Wandheizung/Wärmepumpe + einer kleinen Wasserkraftanlage dass wir die Heizung, wenn es denn sein muss, ganzjährig laufen lassen könnten. Damit ist auch unsere zweite Frage quasi beantwortet. Abgesehen vom Esszimmer ist im Erdgeschoss komplett Terrazzo verlegt. Wir machen schon viel in Eigenleistung, aber das traue ich uns nicht zu, den selbst abzunehmen, geschweige denn ihn wieder anzubringen.
Zu Frage 3: Nee, irgendeinen Putz lassen wir uns nicht andrehen, im Gegenteil, bisher haben wir den komplett selber "zusammengerührt". Einen Opferputz anzubringen stellt daher für uns kein Problem dar, wir werden allerdings nur seeeehr groben Unterputz anbringen, gerade so, dass die Wandheizung eingefasst ist. Wenn es "nur" Salzausblühungen gibt stört uns das nicht sonderlich, wir sind das Baustellenleben mittlerweile gewöhnt... Mit den nächsten Putzschichten warten wir dann mindestens bis zum Frühjahr. Bis dahin würden die Salzausblühungen doch sicher sichtbar sein, oder?

Nochmals lieben Dank an Dich KH und viele Grüße

Aufsteigende Feuchtigkeit


21.11.2022 Dearno

So weit so richtig. Ich möchte noch folgendes hinzu fügen.
Die Feuchtigkeit und so mit der Salz Transport findet über die aufgebrachten Putzschichten statt. Im Mauerwerk gibt es keine aufsteigende Feuchtigkeit. Jede Mörtelschicht bildet eine Kapillar brechende Schicht. Von der großen Mörtelkapillare zur kleineren Steinkapillare ist eine Feuchtigkeits Übertragung Bauphysikalisch nicht möglich. Man nennt es einen unendlich großen Kapillar widerstand. Ihr werdet es feststellen das die Salzausblühungen nach abtragen der Putzfläche und Abtrocknung der Wand kaum noch zu sehen sind. Und doch würde ich eine Salzbremse auftragen welche das expandieren noch vorhandene Salze verhindert. Zu dem wird eine so genannte hygroskopische ( hier mal Googlen ) Feuchtigkeit unterbunden. Ich würde auch keinen Sanierputz auftragen , sondern die Flächen mit Kalkfarbe streichen. Jeder Putzauftrag transportiert Feuchtigkeit und so mit Salz aus dem feuchten Untergrund. Das kann man nur verhindern wenn auch auf der Wand Oberfläche eine kapillare Unterbrechung eingearbeitet wird.