Raumhöhe gewinnen, Lehmdecke muss leider weichen.


24.01.2023 Dan 13 262

Hallo Liebe Community,

ich weiß, dass es hier nicht gern gesehen / gelesen wird wenn Jemand eine Lehmdecke entfernt, aber wir haben eine Raumhöhe von nur 2,09m und es soll eine kleiner niedlicher Friseursalon in diesen 2 Räumen entstehen. Wir haben jetzt die Trockenbauplatten ein Stück entfernt und wie erwartet eine Lehm/Strohdecke gefunden. Die Staken sind sehr unregelmäßig und die Balken sind teilweise mit der Axt und teilweise mit Säge bearbeitet. Es wurde bereits ein Stahlträger nachträglich eingezogen. Wir wollen die Balken freilegen und dazwischen einen Deckenaufbau mit Schalldämmung einbringen. Die freigelegten Balken passen gut zum unserem Raumkonzept und so werden auch noch die leerstehenden Räume unseres alten Familienhaus sinnvoll weitergenutzt.

Unsere Fragen:
• Müssen wir bei dem freilegen etwas beachten?
• Kann es Probleme mit der Statik geben?
• Kenn jemand gute Schall- bzw. Dämmplatten für den späteren Aufbau der Decke (gern Naturstoffe)

Bild2


24.01.2023 Dan

Ein weiteres Bild

Für die Schaffung...



...von Gewerberäumen ist i.d.R ein Bauantrag erforderlich, weil es sich um eine Nutzungsänderung handelt.

Bei der gegebenen Raumhöhe, die sich an der Balkenunterkante orientiert, hat das wohl keine Chance.

Grüße

Thomas

Danke für die Antwort, aber


24.01.2023 Dan

wir haben den Bauantrag bereits gestellt und keine Auflagen, da nur eine Person das Geschäft betreibt. Also kurz gesagt man könnte auch im Keller Haare schneiden, so zumindest das Bauamt. Somit ist die Umnutzung nicht mein Problem sondern eher die optische Deckenhöhe.

Alarmglocken


24.01.2023 Methusalem

Naja, der Einwand von T.B. ist gut: auch wenns dem Bauamt egal ist, bist du noch längst nicht auf der sicheren Seite. In D gibt es noch mehr Stellen, die was zu sagen haben. In deinem Falle denke ich spontan an die Arbeitsstättenrichtlinien.... Wir haben mal auf 100m2 Heraklit wegkratzen lassen, welches als verlorenene Schalung unter der Decke "klebte", nur um 2cm zu gewinnen um auf 2,50m lichte Höhe zu kommen, für Praxisräume....

Im Alleinbetrieb...



...kann das anders aussehen, richtig.

Nur ist zu bedenken, daß der Lehm ja auch Brand- und Schallschutz bietet.

Könnt Ihr den Boden des OG erneuern, oder wohnt Ihr da schon?

Danke für die Entscheidungshilfe.


24.01.2023 Dan

Erstmal Danke für die regen Antworten!

Ich rede jetzt nochmal mit meiner Frau, ich glaube wir lassen die Decke doch drin und gestalten den Raum einfach heller und arbeiten mit viel Licht! Habe gerade ein Bauingenieur am Apparat gehabt der mir gesagt hat das sowieso wieder 10cm Dämmung und der Trockenbau zwischen die Balken muss und wenn der Balken 20x20 ist haben wir vielleicht 4 cm gewonnen und das ist die Arbeit nicht Wert.

Nochmal zu den Richtlinien, ja es stimmt man muss eine Raumhöhe von 2,50 haben mit Sondergenehmigung 2,25. Bei Alleintreibende gibt es keine Auflagen, erst wenn Mitarbeiter dazukommen und das ist nicht der Fall.

Vielen Dank nochmal!

Bei Alleintreibende gibt es keine Auflagen



Als Friseursalon bist du kein "Alleintreibender", wie z. B. ein Schreiner der alleine in seiner Werkstatt arbeitet, ansonsten immer zu seinen Kunden hin fährt. Zu dir kommen regelmäßig die Kunden. Auch wenn es immer nur ein Kunde ist, sie kommen "regelmäßig". Das ist das maßgebende. Danach solltet ihr nochmal gezielt, auch beim Ordnungs-/Gewerbeamt fragen!
Es könnte sein dass ihr u. U. auch eine Kundentoilette braucht, usw....

Gruß,
KH

Die eigentliche Fragestellung


25.01.2023 altbaumann

war doch:
[..] Unsere Fragen: • Müssen wir bei dem freilegen etwas beachten? • Kann es Probleme mit der Statik geben? • Kennt jemand gute [..]

Alle sicher gut gemeinten Ratschläge in Richtung Gewerberecht gehen m.E. an der eigentlichen Frage vorbei.
Gewerberecht ist in den einzelnen Bundesländern so unterschiedlich wie Äpfel und Birnen!
Anders das Baurecht in Bezug auf die Umnutzung von Wohn- in Gewerbefläche und
@Dan hat diese Genehmigung bereits!

Also, das Ganze ist letztlich nur eine Frage der Statik und des Schallschutzes.
Ich bezweifle zunächst, dass die Balken 20x "20" sind.
Eher dürften der Querschnitt, je nach Holzart, bei Spannweiten bis 4,50 m, ca. 20x "14 - max.18" sein.
Für letztere Maße spricht auch das Foto.
Die Nut für die Lehmwickel wurde normal etwa in der Balkenmitte, weil die statisch neutrale Zone (oben Druck- unten Zugbelastung), gestemmt.
Sieht so aus, als wären es von der Balkenunterkante ca. 4-5 cm bis UK Holzstaaken.
Bei der Annahme, dass letztere erfahrungsgemäß ca. 4-5 cm dick sind, dürfte der Balken oberhalb nochmal ca. 4-6 cm hoch sein.
Rein statisch gesehen kannst Du die Lehmwickel entfernen, weil Du ja dadurch die Balken gar nicht unerheblich entlastet.
Nur wird die Decke dadurch natürlich stärker schwingen und nicht zu vernachlässigen ist die nicht unerhebliche Gefahr des seitlichen Verdrehens der Deckenbalken, nach dem Entfernen der Lehmwickel.
Bei konventionellem Fußbodenaufbau oberhalb (Dielen direkt auf die Deckenbalken genagelt), verschlechter sich der Trittschall nach unten etwas, aber nicht unbedingt gravierend.

Wär’s meine Aufgabe, würde ich Folgendes (sicher sehr unkonventionell) erwägen:
1.) Die Staaken „unterseitig“ von Stroh und Lehm befreien (geht recht einfach mit elektrischer Säbelsäge und feinem Universalblatt);
2.) 9,5 mm Gipskartonplatten direkt an die freigelegten Holzstaaken schrauben, ohne Rücksicht auf die Ebenheit (der besondere Charme einer alten Stubendecke);
3.) Schraubenköpfe verspachteln, Spachtelung schleifen, Viertelstab in die X-el von Balken u. GK, weißeln.

Nur fünf cm Raumhöhe zusätzlich zwischen den Deckenbalken, aber ein ungeahnt positiver Effekt relativ zur ursprünglichen Raumhöhe von nur 2, 09 m.

Ich stelle mal später noch Fotos rein von einer annähernd vergleichbaren Situation.

Das könnte...



...Murks werden. Das Arbeiten und Schwingen der Balkendecke passt so gar nicht zu einlagigem spröden Gipskarton. Fugen werden sich öffnen, vieleicht gibt es auch zusätzliche Geräusche, wenn Plattenkanten beim Begehen aneinander reiben.

Da gefällt mir die Endvariante des Fragestellers besser.

Grüße

Thomas

Warum GK-Platten....



.... unter die Ausfachungen spaxen? Warum die Ausfachungen nicht einfach balkensichtig verputzen?
Ich verstehe den Sinn einer Beplankung nicht, wenn dafür der vorhandene Strohlehm entfernt werden soll/muss....???....

Gruß,
KH

@KH: warum nicht einfach balkensichtig verputzen?


26.01.2023 altbaumann

Weil @Dan im Profil schreibt [...] bin kein Profi-Handwerker [...] dachte ich, dass das Beplanken für ihn die einfachere Alternative zum Verputzen wäre.
Das könnte er ja wirklich selber machen.
Fachgerecht rabitzen und Decke putzen setzt ja doch erhebliche Fachkunde voraus.

Natürlich hast Du grundsätzlich recht, verputzen wäre die bessere Lösung!

Gruß
Michael

Learning by doing



Na dann wäre jetzt DIE Gelegenheit Verputzen zu lernen.... ;-)
Lehmputz ist dazu das ideale Material. Der wird nicht so schnell hart und wenns beim ersten Mal nix wird, kann man ihn einweichen, wieder runter kratzen und nochmal von vorn beginnen, ohne Material zu verschwenden.

Wenn die Stakung und der Strohlehm noch intakt sind, braucht es auch keinen Rabitz. Ein einfaches Armierungsgewebe in den Unterputz eingebettet, reicht völlig aus.

Gruß,
KH

Ich hatte...



...mal eine Baustelle, da hat eine Juristin im Ruhestand Wände mit Lehm verputzt.

Sah klasse aus. Der Putz insbesondere...