Was bisher geschah...

Deutschland-Allgemein




Der letzte Beitrag ist jetzt doch eine Weile her, also will ich für interessierte Zusammenfassen, was bisher geschehen ist. Planung: Nachdem wir alle Original-Unterlagen von 1892 und 1908 (Anbau) aus dem Bauamt erhalten haben, gab es eine Bestandsaufnahme (Aufmaß, etc.) durch Architektin und Statiker. Danach ging es daran zu Überlegen, wie die Sanierung ablaufen kann, wobei der Fokus darauf bestand möglichst viel wieder Orignal herzurichten, aber auch ein modernes Wohnen zu ermöglichen. Keller: Der Keller war nur sehr rudimentär nachträglich abgedichtet worden und alle Lichtschächte waren eingefallen oder in einem sehr schlechten Zustand. Zunächst haben wir also das Haus rundherum aufgegraben (natürlich nach Rücksprache mit dem Statiker) und die alten Lichtschächte und die alte Abdichtung entfernt. Dabei kamen unter den eckigen Lichtschächten die originalen runden Lichtschächte zum Vorschein. Durch eine Fachfirma wurden dann eine neue Schwarzabdichtung, eine entsprechende Fundamentkante und wieder runde gemauerte Lichtschächte hergestellt. Dabei wurden unseren mühselig abgeklopften Steine wieder verwendet. Natürlich wären grundsätzlich auch ganz normale Kunststofflichtschächte möglich gewesen, aber das schien uns dann irgendwie doch unpassend. Als "Dämmung" haben wir uns dann für Schaumglasplatten entschieden, das wir jetzt kein großer Freund des eigentlich angebotenen XPS waren. Das Schaumglas haben wir selber besorgt, die Anbringung wurde dann aber für den gleichen Preis wie XPS erledigt. Abgesehen davon wäre XPS auch nicht wirklich lieferbar gewesen. Es sind nur 4cm Schaumglas (entspricht im Preis 10cm XPS), weil der Keller unbeheizt ist und damit rein ein Schutz des Mauerwerks erfolgt. Anschließend haben wir wieder alles verfüllt und vorsichtig verdichtet. Innen wird der Keller aktuell verputzt (Kalk-Zementputz), der alte Putz war komplette abgefallen und die Wände komplett neu zu verfugen wäre doch sehr aufwendig gewesen. Anschließend werden dort die ganzen Installationen (Wasser, Strom, etc.) reinkommen. Der Boden bleibt aus Ziegelsteinen. Die preußische Kappendecke ist in Ordnung, als Stahlträger wurden damals Eisenbahnschienen verwendet. Diese haben ein wenig Rostschutz bekommen, ansonsten war da nicht viel zu tun. Fassade: Der Energieberater hatte scherzhaft vorgeschlagen, wenn es nicht unter Denkmalschutz ist können wir auch 18cm EPS drauf kleben...naja...machen wir nicht. Die Fassade muss Schlagregendicht werden, entsprechend wird sie durch eine Fachfirma aktuell komplett saniert inkl. Austausch defekter Steine durch neue Steine im Reichsformat. Anschließend wird mit Hochdruck (und ggf. etwas Reinigungsmittel) gereinigt und wieder neu verfugt. Auf dem Bild sind schon die ausgetauschten Steine zu erkennen, wobei vor allem die Seiten in sehr schlechtem Zustand waren. In diesem Rahmen werden auch die Fensteröffnungen wieder in den Originalzustand gebracht. Man hat vermutlich wegen dem Einbau von Heizkörper die Fenster verkleinert. Entsprechend sind auch keine originalen Fenster mehr vorhanden sondern es waren relativ einfache Kastenfenster verbaut. Diese zu sanieren wäre recht aufwendig und nicht wirklich sinnvoll. Um etwas mehr Raumhöhe zu gewinnen wird das ganze Haus vier Reihen aufgemauert und oben ein Ringanker gesetzt. In den aufgemauerten Bereich kommen an Ost- und Westseite noch ein paar süße Zusatzfenster. Die Südwand (an der Grundstücksgrenze) war ursprünglich als WVDS vom Energieberater geplant, wir haben uns jetzt aber doch entschieden dort den Putz abzunehmen und auch dort die Klinker zu sanieren, da es unter dem Putz doch recht gut aussieht. Entsprechend haben dann alle vier Seiten Innendämmung und die Ecke mit Übergang Innen/Außendämmung entfällt. Dach: Warum wurde das Dach nicht längst gemacht? Das Haus liegt mitten im Bahngelände, im Grundbuch ist ein Geh-/Fahr- und Leitungsrecht eingetragen. Dieses muss aber für die Baugenehmigung in das Baulastenverzeichnis eingetragen werden. Schon der staatlich anerkannte Vermesser hatte hier einen Vorlauf von 3 Monaten, dann gab es auf Wunsch des Bauamts noch zwei Korrekturen und aktuell ist die Sachbearbeiterin im Urlaub. Dass das Haus eine Grenzbebauung ist, erleichtert den Job auch nicht. Kurzum, ohne Baugenehmigung kein neues Dach bzw. zumindest kein erhöhtes neues Dach. bzw. keine Umnutzung Speicher zu Wohnraum. Das sollte sich jetzt in den nächsten Wochen regeln, aber es ist noch nicht so weit. Das Dach wird in gleicher Neigung und in gleicher Art auf das erhöhte Mauerwerk aufgesetzt. Es wird aber keine Dachpappe (die alte enthält Asbest und PAK...) sondern ein Zink-Blechdach. Die Dachdämmung erfolgt mit Holzfaserdämmplatten (Steico oder ähnlich) gemäß KfW und obendrauf kommen dann PV-Platten. Außer einem Ausstieg für den Schornsteinfeger sind keine Dachfenster vorgesehen, weil diese aufgrund der nur 11 Grad Dachneigung sehr klobig wären. Das Haus ist aber trocken, weil wir schon im letzten November eine Plane über das Dach gespannt haben. Hätte der Vorbesitzer diese wenigen Euro mal in die Hand genommen - wir hätten es jetzt viel leichter. Innen: Im Innenbereich hat sich bis jetzt unsere Eigenleistung und damit auch das Baugeschehen konzentriert. Das Gebäude ist komplett entkernt, nachträglich eingebaute Wände sind raus und der ganze Putz ist entfernt. Wegen Feuchteschäden (=nicht mehr viel Balken übrig) haben wir die Zwischendecke bis auf alle Balken entfernt (Stakung, Schüttung, etc.). Das war vermutlich die schlimmste Arbeit, da als Schüttung sehr viel Schlacke und nur an wenigen Stellen Lehm verwendet wurde. Für die Holzdecke gibt es aktuell zwei Varianten, die jeweils vom Statiker gerechnet sind: 1) Alte Balken (20x24cm, 90cm Abstand) bleiben komplett drin und werden nur dort, wo sie Schäden haben ersetzt / angelascht. Nur die beiden Balken auf den Außenwänden müssen ersetzt werden, weil sie die Last des Dachs tragen. 2) Alle Balken in neuen Abständen erneuern Wir warten jetzt die Angebote dafür ab und werden dann eine Variante wählen. Im Endeffekt bleibt davon ohnehin nichts sichbar. Im nicht unterkellerten Bereich haben wir in die Zimmer eine armierte Betonplatte gegossen, nachdem uns ständig die Ameisen aus dem Sand entgegen kamen. Darauf kommt dann eine Abdichtung und ebenfalls eine Holzfaserdämmung, Trockenestrich, Fußbodenheizung und neue Kieferdielung. Die Variante Wandheizung hatten wir überlegt aber dann wieder verworfen. Auf der Kappendecke erfolgt im Prinzip der gleiche Aufbau, wobei unter die Dämmplatte noch eine Ausgleichsschüttung kommt. Als Isolierung ist im Erdgeschoss (24cm Vorschale, Luftspalt, 12cm Innenschale) ein Dämmputz geplant, hier ist die Überlegung noch Lehm/Hanf oder Kalk mit Glaskügelchen. Das müssen wir uns noch im Detail ansehen, was wir da machen. Material ist ähnlich teuer, aber bisher wurde uns mitgeteilt, dass Lehm wesentlich teurer in der Verarbeitung ist. Im Obergeschoss sieht es im Moment nach dem UdiReco-System aus, die Raumaufteilung erfolgt dann im Trockenbau, wobei uns Lehmbauplatten vorschweben, aber das ist noch im Detail offen. Das das Haus gegenüber der KfW als erhaltenswerte Fassade gilt, haben wir keine direkte Anforderung an den U-Wert. Die Fenster werden angenähert an den historischen Plan zweiflüglig mit echtem Wetterschenkel und zweiflüglichem Oberlicht ausgeführt. Die Verglasung wahrscheinlich 3-fach, auch wenn der Holzrahmen (Kunststoff geht mit Bogen eh nicht) eigentlich den Dämmwert bestimmt. Soweit, bei Fragen gerne melden, inzwischen haben sich bei uns viel Informationen angesammelt und wir haben auch ein paar Tipps für gute Firmen. Für Tipps sind wir natürlich auch weiter dankbar. (Julia +) Johanes P.S.: Der generell Tipp von uns - holt euch Fachleute. Hier im Forum gibt es oft gute Empfehlungen zu Handwerkern, Architekten etc. Viele inhaltliche Tipps sollte man aber mit Vorsicht genießen, vor allem wenn man am Bau Laie ist. Und überlegt euch, ob die historische Bautechnik zu eurer Nutzung noch passt oder doch hier und da moderne Materialien notwendig sind. Wie hieß es so schön...die meisten wollen nicht bauen...die meisten wollen wohnen.